Almost Famous

Der Tiefpunkt kam vor etwas weniger als drei Jahren. Mit 28 hatte ich den Versuch aufgegeben, Romane zu schreiben und mit knapp 30 war es damals noch nicht abzusehen, dass die Fotografie mich irgendwann erlösen würde. Zu dieser Zeit blutete mein Drang, mich künstlerisch ausdrücken zu wollen einfach unsinnig und unkontrolliert aus mir heraus. Denn Melancholie, die nie aufhört, ist keine. Keinen Roman zustande gebracht zu haben, hinterließ eine Wunde, die in genau dieser Zeit vor drei Jahren zu entzünden drohte. Ich suchte den Ausweg aus den dunkleren Winkeln meines Kopfes in Filmen und scharrte meine Lieblinge wieder eng um mich. Ein gutes Jahr, Finding Forrester, Motorcycle Diaries, Before Night Falls, Shadows in the Sun, Into the Wild. Ich schaute diese Filme beinahe täglich, manche 20 oder 30 mal. Einige der Filme, die für mich stark zu meiner „sentimental education“ beigetragen haben, sind von dem amerikanischen Regisseur Cameron Crowe. Nicht der Cameron von Titanic sondern „Jerry Maguire“, „Elizabethtown“ und vor allem „Almost Famous“.

Genau diesen Film hatte ich zu dieser Zeit mal wieder geschaut, nachts, im Weinrausch, mit offenem Herz und etwas zu anfälliger Seele. In dem Film geht es um die autobiografische Geschichte Crowes, der Anfang der 70er mit nicht mal zwanzig Jahren zusammen mit dem befreundeten RocknRoll Fotografen Neal Preston unter anderem die Allman Brothers Band für den Rolling Stone als Journalist auf Tour begleiten durfte. Der Film beinhaltet einige der Keimzellen von allem, was ich jetzt als Bob Sala in die Welt male. Nachdem ich den Film mal wieder geschaut hatte, beschloss ich, mich an meine Schreibmaschine zu setzen und Cameron Crowe einen Brief zu schreiben. Da ich betrunken und gefühlsduselig war, artete es ein wenig aus und am Morgen hatte ich dann eine zweiseitige Liebeserklärung getippt, inklusive einer finalen bitte um Adoption. Ich suchte ein, zwei Adressen aus dem Netz, Produktionsfirmen, Agenturen und schickte Kopien des Briefes nach Amerika. Eine Antwort bekam ich nie.

Das Cover der europäischen DVD des Films zeigt Kate Hudson, in Unterwäsche vor einem Hotelbett, im Hintergrund eine Gitarre, violette und neonblaue Farbgebung, keine Pose, einfach nur Sie und ihr Blick in die Kamera. Einer der ersten Versuche als Bob Sala war es, genau diese Szene mit einem Model nachzustellen. Eigentlich wollte ich wie Neal und Cameron mit Bands mitreisen, doch all meine Briefe an die Bands, Labels, Magazine und Tour Manager blieben unbeantwortet. Was daran gelegen haben mag, dass ich kein Portfolio hatte und einfach nur dreiste, biertrunkene Briefe im Stil Hunter S. Thompsons in meine IBM hackte. Ich wollte sein wie Lester Bangs, der im Film unfassbar genial von Philip Seymour Hoffman gespielt wurde. Eingesperrt zwischen seinen Platten, die ganze Nacht vor der Schreibmaschine.

Aber was ich mir zu eigen machen konnte aus der Welt von Almost Famous waren die Band Aids. Mädchen, die die Musik lieben, die Texte auswendig können, die Platten sammeln, nichts lieber tun, als mit ihrem Lieblingsalbum und fetten Kopfhörern in ihren Schlafzimmern zu sitzen und die Lyrics in den Booklets mitzulesen. Penny Lane ist ein Geist, der auf meinen Bildern lebt und der gleichzeitig Inspiration und Wegweiser für die erste Phase meiner Fotografie wurde. Seitdem ist viel passiert. Mein Herz hält längst nicht mehr Schritt mit allem, was ich zurückbekomme. Jede Flaschenpost, die ich in den letzten beiden Jahren ans Universum geschickt habe, wird dieser Tage eine nach der anderen beantwortet. Durch die Fotos, die ich mache, lerne ich beinahe täglich Menschen mit denseben kulturellen Einflüssen kennen. Zufall und Bestimmung wechseln sich wöchentlich ab in meinem Postfach.

Eines Tages führte das Schicksal mich dann auf einer Veranstaltung hier in meiner Stadt zu Giulia Calani. Giulia ist Galeristin. Sie organisiert Ausstellungen. Wir wurden einander vorgestellt. Ich als Fotograf, sie als Ausstellungsorganisatorin. Ihre erste Frage: „Kennst du vielleicht Neal Preston?“

Dass ich in einem Dorf wohne ist ein Fakt, der mir mittlerweile regelmäßig vorgeworfen wird. In eine größere Stadt zu ziehen, um mit meiner Fotografie weiterzukommen, scheint für viele der logische Schritt. Und dann treffe ich auf einer kleinen Kreativveranstaltung in Paderborn die Galeristin von Neal Preston. Giulia arbeitet für die Lightpower Collection. Dort hat man viele von Neals Bildern gekauft und organisiert nun Ausstellungen und Verkäufe. Die Gelder, die damit eingenommen werden, werden komplett gespendet. Ich antwortete ihr, dass ich Neal sehr wohl kenne und ein großer Fan sei. Tatsächlich habe ich drei Bücher von Neal in meiner Wohnung. Er war der offizielle Tourfotograf von Led Zeppelin in den 70ern und hatte außerdem so gut wie jede meiner anderen Lieblingsbands vor der Kamera. Giulias nächste Frage war, ob ich den Film „Almost Famous“ gesehen hätte.

Wir redeten nicht viel mehr an dem Abend, aber verabredeten uns zu ein paar Cocktails ein paar Wochen später. Und wie es der Zufall will, fiel das alles in die Planung der aktuellen Ausstellung von Neal. In Gütersloh, meiner Heimatstadt (kann man sich bis Ende November im Theater Gütersloh geben, Samstag is Kick-Off und Lesung). Es war schnell klar, dass Giulia mich in die Veranstaltung involvieren und ich den Mann kennenlernen würde, der zu Teilen verwantwortlich für dieses Bob Sala Zeug ist. Ungläubig verbrachte ich die letzten Wochen damit, seine Interviews und Essays wiederzulesen und mich auf die Ausstellung zu freuen. Was könnte ich ihn Fragen, wenn ich ihn sehe? Geheim hoffte ich, dass er einfach nur erzählen würde, wenn wir uns treffen. Ich kenne viele seiner Geschichten, aber ich wollte sie von ihm persönlich hören. Und in dieser Woche startet die Ausstellung endlich mit einigen Veranstaltungen. Ich sollte Neal eigentlich morgen auf der Vernissage kennenlernen. Bis Giulia mir gestern eine Nachricht schickte, ob ich um viertel nach sieben am Arosa Hotel sein könne. Wir würden dann mit Neal essen gehen. Ich bin halb durchgedreht, sprang noch schnell unter die Dusche und rannte aufgeregt durch die verregneten Straßen während ich den „Oogum Boogum Song“ auf den Kophörern hatte. Die beiden warteten schon auf mich vor dem Hotel.

Neal war genau wie ich ihn von einigen Bildern her kannte. Schlank, nicht der größte, schütteres Haar, zurückgekämmt a la Bukowski und zu meinem Glück von der ersten Minute an sehr gesprächig. Ich hatte mir unser Treffen schon das eine oder andere Mal ausgemalt. Wie es am Ende gelaufen ist, hatte ich nicht zu träumen gewagt. Wir sprachen über seinen guten Freund Cameron, er zeigte mir ein Bild auf seinem Handy, das jemand von ihm und Crowe gemacht hatte, während sie vor Pete Townshend stehen und grinsen wie kleine Jungs. „Ich bin einfach immer ein Fan der Musik geblieben. Und wenn ich vor meinen Idolen stehe ist das immernoch das Größte für mich!“ sagte er zu mir, während er das Bild beschrieb. Er überlegte kurz, Cameron für mich auf der Stelle anzurufen. Dann erzählte ich ihm von meinem Brief. Neal verpsrach mir, den Brief persönlich an Cameron weiterzugeben. Ich durfte so viele Geschichten mit ihm noch einmal erleben, während er weitererzählte. Anzügliches mit Courtney Love, ein Fotoshooting mit Springsteens Frau im Chelsea Hotel, Super Bowl Wetten mit Matt Damon, Backstage Geschichten von Led Zeppelin, Fleetwood Mac, Ten Years After, Sly and the Family Stone. Und dann kamen wir zu Almost Famous. Er erzählte vom Dreh, von den wahren Geschichten, auf denen der Film basiert. Von der echten Penny Lane, die ihn vor kurzem noch besucht hatte und von diesem einen Bild. Kate Hudson vor ihrem Hotelbett mit der Gitarre im Hintergrund. Neal erzählte, dass alle Stills zum Film von ihm seien. Und dieses Bild, das als Szene im Film gar nicht vorkomme, hatte er spontan mit Kate Hudson gemacht, als sie im Ambassador Hotel in Kalifornien drehten, dort wo man Robert Kennedy angeschossen hatte. Er habe das Licht in dem Zimmer gesehen, dazu die Gitarre und Kate gefragt, ob sie nicht Lust hätte, ein paar Fotos zu machen. Sie sagte zu und so entstand die Vorlage für meine ersten Arbeiten. Vielleicht sogar der Vibe für alles.

Ich könnte noch viel mehr erzählen, aber die schönsten Geschichten behalte ich einfach für mich und trage sie in den nächsten Jahren mit mir rum wie kleine Anhänger an meinem Armband. Der gestrige Abend endete in der Hotelbar des Arosa und Neal verstreute noch einige Kontaktbögen und Negative aus den 70ern und 90ern über den Tisch. Ich hatte einen hochroten Kopf, kam aus dem Lächeln nicht mehr heraus und begann nur noch ungläubig mit dem Kopf zu schütteln. Er schenkte mir einen Testprint von einer seiner Aufnahmen aus dem Jahr 1977. Led Zeppelin in Detroit, während der Performance von „Achilles Last Stand“. Er nahm einen Sharpie aus seiner Tasche und begann am oberen Rand ein paar Worte zu kritzeln. Jetzt ist es halb fünf am Morgen, etwa sechs Stunden später. Ich muss gleich zur Arbeit. Doch ein bisschen genieße ich noch die Musik und blicke auf dieses für Neal wahrscheinlich unbedeutende Geschenk. Das vielleicht eine der schönsten Erinnerungen aus diesen Jahren für mich werden wird. Ich überlege, ob ich das hier morgen überhaupt veröffentlichen soll. Vielleicht bin ich ein bisschen zu emotional gerade. Aber andererseits hat Lester Bangs mir die Frage ja schon beantwortet im Film, also hoffe ich, dass ihr mir meine Gefühlsduselei nachseht.

“The only true currency in this bankrupt world is what you share with someone else when you’re uncool.” – Lester Bangs

Songs of Yesterday

Sing me a sad song
And I’ll be right on my way
A sad song like the songs of yesterday

Manche Begegnungen verändern dein Leben für immer. Vor fast zwei Jahren war die Begegnung mit Milla so ein Moment. Im letzten Jahr kam dann noch Maja dazu und die Kombination aus Maja als Stylistin und Milla als Model hob meine Fotografie noch einmal auf ein anderes Level. Aus dieser Serie sind viele Dinge entstanden. Mein erstes C-Heads Feature, aber vor allem ein ganz neuer Freundeskreis, mit dem ich gerade zwei Wochen auf Sri Lanka verbringen durfte.

Alles Gründe, warum mir dieses Shooting besonders am Herzen liegt. Es war das erste in den heiligen Hippie-Hallen von Maja und ihrem Freund Bolt. Sie wohnt nur 20 Minuten von mir entfernt, aber man ist gleich in einer anderen Welt, wenn man bei Maja ankommt. Ihre 4 Hunde begrüßen einen am Eingang, es riecht nach frischem Kaffee und alles steht voll mit Instrumenten.

“With the palms zipping past and the big sun burning down on the road ahead, I had a flash of something I hadn’t felt since my first months in Europe—a mixture of ignorance and a loose, “what the hell” kind of confidence that comes on a man when the wind picks up and he begins to move in a hard straight line toward an unknown horizon.”

Hunter S. Thompson

BOB SALA & MILLA for Forgotaboutthename 

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Hard-Boiled Wonderland

Ob in guten oder in schlechten Phasen, es beruhigt, zu wissen, dass ich immer wieder zu meinen Büchern zurückkehren kann. Mit Hilfe der Literatur habe ich mir eine Insel erschaffen, zu der ich wieder und wieder segeln kann, um mich von der Außenwelt abzuschotten.

Das hat mir in meinen späten Zwanzigern den Arsch gerettet. Die negative Bedeutung, die bei dem Wort „Träumer“ mitschwingt, hat sich mir nie erschlossen. Als Träumer sehe ich nicht nur die unbelehrbaren Optimisten. Für mich als Träumer, genügt es, mir eine zweite Realität zu schaffen, in der ich mich nicht rechtfertigen muss. Das war schon so, Jahre bevor ich den Namen Bob Sala bei Hunter S. Thompson gelesen hatte. Kafkas Prag war genauso meine Heimat wie Hemingways Paris oder Bolaños Santa Teresa.

„Wenn du nur in deinen Träumen lebst, verzweifelst du zwangsläufig an deiner Realität“. Ist das so? Ich weigere mich, meine Realität auf die Dinge zu beschränken, die meinen Alltag ausmachen. Alles Reale ist auch nur eine Interpretation unseres Gehirns. Chemische Prozesse bestimmen, ob wir die Tasse rot oder grün sehen oder ob der Sonnenuntergang uns erfreut oder in eine Depression stürzt. Meine Großmutter litt in ihren letzten Jahren an fortgeschrittener Demenz. Und irgendwann begann sie von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Da ging es um den Freund, den sie vor meinem Opa hatte, der im Krieg gestorben war. Als es noch schlimmer wurde, wiesen ihre Geschichten immer phantastischere Züge auf. Wir realisierten irgendwann, dass sie uns Episoden aus „Traumschiff“ oder „Ein Schloss am Wörthersee“ nacherzählte. Für sie war es in den letzten Monaten die Idylle aus ihren Lieblingsserien, die sie für ihre eigene Vergangenheit genommen hatte. Macht es das weniger real für sie? Wenn sie nun mit der festen Überzeugung gestorben ist, sie habe ihr Leben an der Seite von Roy Black verbracht. Was solls.

In den letzten Monaten gleicht mein Leben nun immer mehr der Traumwelt, die ich mir früher schuf. Das ist in gewisser Weise weniger real für mich als meine Phantasie. Ich schreibe diese Sätze in zehn Tausend Metern Höhe auf dem Flug von den vereinigten arabischen Emiraten nach Colombo, Sri Lanka. Die Sonne strahlt grell durch die Fensterscheiben und ich kann kaum lesen, was ich in mein Notizbuch schreibe. Ich habe vor kurzem Patti Smiths „M Train“ gelesen. Darin gibt es ein Kapitel mit dem Titel „Uhr ohne Zeiger“. Es geht darin um die Wahrnehmung und das Erleben von Zeit. Und wie sie mit ihrem Mann die Zeit ganz eigentümlich auslegt. Gespräche bis in die Morgenstunden, dann den Tag verschlafen und abends nach einem noch offenen Diner suchen, wo sie schwarzen Kaffee trinkt und er Bier. Sie schreibt davon wie sie Pläne schmieden. Eine Fernsehsendung mit dem Titel „Betrunken am Nachmittag“. Ihr Mann würde Interviews führen und die Leute betrunken machen und zwischendurch gäbe es eine „Kaffeepause“, in der Patti unterstützt von Nescafé über Gefängnisliteratur sprechen würde. „Nicht alle Träume müssen verwirklicht werden“, beendet sie diese kleine Spinnerei.

Mein Leben besteht zur Zeit aus dem Erfinden, Ausarbeiten und Verwerfen oder Realisieren von neuen Ideen und Projekten. Australien, Sri Lanka, LA, Magazine, Led Zeppelin, Bücher, Modefotos, Schreiben, Stories, Hawaii-Hemden, Rum, Sonne, Bücher, Lesen, Arbeit in der Verlagswelt, mehr Reisen, mehr Schreiben, mehr Lesen, die Musik, Vinyl, Musikmagazine, Bands, Musiker, Filmer, Nerds, Interviews. Mein Leben platzt vor Dingen, die ich mir immer vorgestellt habe. Und gleichzeitig fallen rechts und links die Projekte ins Wasser, Ideen werden verworfen, erneuert, neu belebt. Für jeden Erfolg gibt es eine Niederlage, von der niemand mitbekommt, eine Enttäuschung wird vergessen gemacht durch eine Email, die mich lachend durch die Innenstadt tanzen lässt.

Es wäre längst an der Zeit, mich zu bedanken. Bei den Mächten, die in den vergangenen Monaten und Jahren das Steuer übernommen haben. Bei den Menschen, die sich die Zeit nehmen und mir Tausend Wörter in eine Email schreiben. Doch ich bin abergläubisch. Wenn ich wirklich realisieren würde, was da gerade alles passiert, würde es mir vielleicht in den Händen zerrinnen. Ich reite lieber weiter auf diesen Wellen und erwarte, irgendwann im großen Stil zu scheitern. Allen, die trotzdem in dieser Zeit ihr Vertrauen in mich setzen: MAHALO. Lasst uns weiter Realität und Traum verschwimmen lassen.

The Proud Highway (Interview)

Rolling Stone Schreiber Thomas Hummitzsch hat mich ein bisschen zu den Briefen von Hunter S. Thompson befragt, die jetzt auch auf Deutsch vorliegen in der Edition tiamat und als Taschenbuch bei Heyne Hardcore & Heyne Encore. Herausgekommen ist ein längeres Interview zu Hunter, den Briefen, New Journalism, den Einfluss Hunters auf meine Fotografie und ein paar anderen Geschichten.

Lesen kann man das Ganze hier.

Mahalo, Bob

Bob Sala & Fujifilm X100F

In Australien hatte ich die neue Fuji X100F im Gepäck und durfte sie ein bisschen testen. Fujifilm hat heute ein kleines Behind the Scenes Video davon veröffentlicht.

Die X100 war die Kamera, die mich vor einigen Jahren wieder auf die Straße geholt hat zum Fotografieren. Danach kamen die X-E1, X-E2 und dann die X-T1, die sowas wie meine „Mahalo-Machine“ wurde. Neunzig Prozent aller Bob Sala Fotos sind damit entstanden. Vor zwei Jahren kam dann noch die X100T dazu, die ich mir statt eines 23mm (35mm equiv.) Objektivs für die X-T1 gekauft hatte. Die T1 mit dem 35mm1.4 und die X100T waren über 2 Jahre mein komplettes Setup. Damit konnte ich alles fotografieren, was mir wichtig war und das tat ich dann auch… Nächste Woche schicke ich meine X-T1 mal bei Fuji ein und lasse die Auslösungen zählen. Sie sieht mittlerweile aus wie eine durchgetragene alte Ledertasche aus den 60ern.

Im letzten Jahr fing es dann bei mir an, dass ich öfter für Kunden gearbeitet habe. Vorwiegend Modelabels. Bei meinem Stil hat das mit den Fujis auch super funktioniert. Aber manchen Kunden waren die 16 Megapixel der Fujis doch ein bisschen zu wenig. Mit der neuen Sensorgeneration bei der X-Pro2 und X-T2 kamen dann noch 8 dazu und mit den 24 lässt es sich wunderbar arbeiten. Mir reichte es zwar vorher schon, aber einigen Kunden ist das sehr wichtig. Lightroom hat mittlerweile auch stark nachgezogen was das Bearbeiten und die Schärfe der Fuji Raw Files angeht. Ich benutze weiterhin nur meine Fujis für die Jobs.

Die neue X100F ist nun auch mit der neuen Sensorgeneration ausgestattet worden und wird wie ihr Vorgänger in meinen Workflow eingebunden. Die Frage, die sich die meisten stellen: „Lohnt sich das Upgrade von X100T auf X100F?“ Die Antwort ist dieselbe, die ich auf die Frage „Soll ich zu Fuji wechseln?“ immer gebe: Nehmt sie in die Hand, geht zum Händler. Der Autofokus, die Dateigrößen. Der Unterschied ist schon stark spürbar. Allerdings war die X100T auch schon ein wunderbares Maschinchen, das mir treue Dienste geleistet hat. Die Fujis sind für mich Kameras, die vom Feeling leben. Man mag das oder nicht. Aber man sollte mal eine in der Hand gehabt haben.

So, genug Technik. Wer mich kennt, weiß, dass mir das alles gar nicht so wichtig ist. Trotzdem bekomme ich jeden Tag Fragen zu meinen Fujis. Und jetzt habe ich hiermit einen Beitrag, auf den ich dann verweisen kann. Zur Info: Ich bin seit letztem Jahr einer der offiziellen Fujifilm X-Fotografen. Ich bin nicht bei denen auf der Payroll. Allerdings habe ich schon hier und da für Dienstleistungen, die ich für Fuji erbracht habe, Geld bekommen. Für diesen Beitrag bekomme ich keins. Hier ein paar Fotos von der lieben Marie, die am letzten Tag des Racquet Road Trips in Australien entstanden sind. Vielen Dank auch an die die beteiligten Labels Sunflowerseed Vintage, Dazed and Reused und Sunday Somewhere.

High Fidelity

Feel the nights are starting earlier and end later? Tired of sitting in the dark and moving towards you winter depression? People say you look bleak and your conversations seem to be the same repetitive bullshit time and time again? Maybe it’s because your soul lacks the right amount of proper feeding!

Get through the dark days of the year by giving your brain the proper care! How? Don’t worry, Bob’s got you covered. Here’s a list of things to absorb in four of the relevant fields. No excuses anymore! These lists will make you a better person. Or an alcoholic. But hey.

These lists are random, the order isn’t relevant. Some of my favs on there, but certainly not all. We need some stuff for the summer, too.

Novels/Poems:

  • Hunter S. Thompson – The Rum Diary
  • Thomas Pynchon – Inherent Vice
  • Charles Bukowski – Factotum
  • Roberto Bolaño – The Romantic Dogs
  • Reinaldo Arenas – Before Night Falls
  • Paul Auster – Moon Palace
  • Haruki Murakami – A Wild Sheep Chase
  • Martin Amis – Money
  • Patti Smith – Just Kids
  • Bob Dylan – Chronicles

Movies:

  • Before Night Falls (read book first)
  • The Motorcycle Diaries
  • Almost Famous
  • Fear and Loathing in Las Vegas
  • Factotum (read book first)
  • Inherent Vice (read book first)
  • Beginners
  • Barney’s Version
  • Fight Club
  • The Rum Diary

Albums:

  • Sam Cooke – Live at the Harlem Square Club 1963
  • Bob Dylan – Blonde on Blonde
  • Rolling Stones – Beggars Banquet
  • Led Zeppelin II
  • Country Joe and the Fish – Electric Music for the Mind and Body
  • Jimi Hendrix – Electric Ladyland
  • Creedence Clearwater Revival – Cosmo’s Factory
  • Big Star – #1 Record
  • Father John Misty – Fear Fun
  • Rodríguez – Cold Fact

Photos:

  • Alberto Garcia Alix – Self-Portraits
  • Anders Petersen – Café Lehmitz
  • Saul Leiter – Early Color
  • Ryan McGinley – You and I
  • Peter Beard
  • Saul Leiter – Early Black & White
  • Ben Bernschneider – Tales of an American Summer
  • Purienne.
  • JH Engström – Tout Va Bien
  • Neal Preston – Led Zeppelin

This is how it will affect you:

Get through 1 of each list:

You’re the Dude, I get it. There’s so much to take care of. And listening to old bowling matches on your walkman seems to feed your soul just as much as you need. But you tried.

Drink: Mix yourself a Russian on that.

Absorb 5 of each list:

Buddha, Baby. Your mind has just been transferred to a whole nother universe. Do you feel it in your veins? Enjoy the beginning thrill. See things from the other side? They are good for you, invite them into your life!

Drink: Brugal Añejo, no rocks.

Live in 10 of each list:

This includes some risk. Patti Smith might start appearing in your dreams, questioning your real heart for the arts. When you wake up, there’s Hunter waiting for you with a sliced grapefruit and a Bloody Mary, cause you will need all the Vitamin C you can get. At noon you will already sit by the typewriter, or take your camera, or setup a canvas or whatever it is your beautiful mind now wants to do! Let it out. You are on the other side now! You bought the ticket, now take the ride!

Drink: The Bukowski (six-pack of beer plus whiskey until you dropout)

Moon Swoon

#millaundbob for @topknotgoods & @forgotaboutthename

“. . . yet there is no avoiding time, the sea of time, the sea of memory and forgetfulness, the years of promise, gone and unrecoverable, of the land almost allowed to claim its better destiny, only to the claim jumped by evildoers known all too well, and taken instead and held hostage to the future we must live in now forever.”Thomas Pynchon, Inherent Vice

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Nights will flame with Fire

It was the first thing I heard about Marie when she arrived with Dave and Ivana at my home for a weekend of photos and minor escalation. It was the first thing they told me about her that immediately connected us and set the mood for the next days: in the car, on the way from the South, she had read to the other two from her old copy of Ham on Rye.

Reading people Bukowski in preparation of meeting me is just the right amount of nerdy craziness that had me hooked in an instant. Marie became one of my favorite persons on this planet within a few conversations and encounters. Our photos mean a lot to me. One of them even spurred a big discussion on the web by people who mistook the quote we gave it with the content of the image. And since we were both trading BUK quotes back and forth while posting some of the images, this post could never go without one:

isolation is the gift,
all the others are a test of your
endurance, of
how much you really want to
do it.
and you’ll do it
despite rejection and the worst odds
and it will be better than
anything else
you can imagine.

if you’re going to try,
go all the way.
there is no other feeling like
that.
you will be alone with the gods
and the nights will flame with
fire. – Charles Bukowski

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Erfolg ist kein Kriterium

Als ich noch aktiv meinen Blog “Wilde-Leser.de” betrieben habe, hat der in Hiroshima lebende Schriftsteller Leopold Federmair über einen kurzen Zeitraum eine kleine Kolumne für mich geschrieben.

Eigentlich war es ein größerer Text, den wir dann in Einzelteilen veröffentlicht haben. Auf Wilde-Leser.de hatten wir uns als “Aficionados” der Literatur des chilenischen Autors Roberto Bolaño zusammengeschlossen und waren kurz davor eine deutsche Bolaño-Gesellschaft zu gründen, bevor es die Gruppe aus Zeitmangel auseinanderschlug. Unter uns waren Schriftsteller, Lektoren, Übersetzer, Bibliothekare, Lehrer, Studenten und Bücher-Nerds.

In seiner Kolumne beschrieb Federmair ein Treffen mit Bolaño 2001, das in vielerlei Hinsicht interessant war. Die für mich wertvollste Stelle war aber  folgende: “Über die drei Tage Anfang April 2001, an denen ich viel mit Roberto zusammen war, habe ich in einem Artikel für die Literaturzeitung Volltext berichtet. Roberto hat mich vom ersten Augenblick an als Kollegen, als „jungen“ Schriftsteller behandelt, er interessierte sich nicht im geringsten für die Frage, ob ich auch bekannt oder gar berühmt sei – tatsächlich existierte und existiere ich nur am Rand dieses Betriebs. Als Roberto den Wunsch äußerte, Bücher von mir zu sehen, wollte er keinen Beweis, sondern einfach nur das, meine Bücher sehen (lesen konnte er sie nicht). Ich führte ihn in die Zentralbuchhandlung beim Stephansdom, weil ich sicher sein konnte, daß dort wenigstens eins oder zwei meiner Bücher in einem Regal standen. Robertos Verhältnis zu Autoren (besonders zu Dichtern) ist so wie das der Dichter in Die wilden Detektive untereinander. Erfolg ist kein Kriterium, die dichterische Lebensform genauso wichtig wie die Veröffentlichungen, das Schreiben (um jeden Preis) mindestens so wichtig wie das Ergebnis.”

Bolaños Einstellung ist sehr nahe an meiner Auffassung von Kulturbetrieb und kulturförderndem Diskurs in der Öffentlichkeit. Dass ich mittlerweile Fotos mache hat nichts an meiner Einstellung zu künstlerischer Arbeit geändert. Für mich eint die gemeinsame Arbeit an einer Kunstform den engagierten Amateur mit dem erfolgreichen Fotografen, den Fotografen, die man in den Galerien findet. Bolaño war ein Schriftsteller, der erst nach seinem Tod eine große Leserschaft gewonnen hat. Mit seinem nachgelassenen Roman 2666 sorgte er nachträglich für den Unterhalt seiner Frau und seiner Kinder, die ich vor zwei Jahren in Barcelona treffen durfte. Trotzdem war Bolaño nie ein Publikumsautor und wird von vielen gern als “Writer’s Writer” bezeichnet. Also einer der Schriftsteller, von denen dein Lieblingsschriftsteller vielleicht begeistert ist, der aber im Mainstream nicht wirklich ankommt. In seinen Büchern spielen häufig Schriftsteller und Verleger oder Übersetzer eine gewichtige Rolle. Es geht um das Schreiben, es geht um den Lebensstil als Schriftsteller. Bolaño gründete schon früh mit seinen Freunden eine eigene literarische Gruppe und war zeitlebens mit Schriftstellern auf der ganzen Welt in Kontakt. Er beantwortete Emails von unbekannten jungen Schriftstellern, während er in seinen letzten Jahren, mit der Gewissheit des nahenden Todes, verbissen an seinem Werk arbeitete.

Es ist also kein Wunder, dass sich nach seinem Tod auf der ganzen Welt die “Aficionados”, die Liebhaber seines Werkes zusammengefunden haben. Aficionados sind das, was eine Kunstform erst möglich macht. Bolaño hatte das verstanden. Und das ist gilt nicht nur für die Kunst. Jede Gruppe von Menschen, die sich leidenschaftlich mit einem Thema beschäftigt, ist innerhalb der Gruppe von einander abhängig, sei es durch Verwandtschaft oder im negativen Fall durch Abgrenzung. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand ein Fotobuch kauft, der nicht an Fotografie interessiert ist, ist geringer als umgekehrt. Natürlich kaufen die Menschen James Dean Bildbände oder Fotosammlungen von der Fußball-Weltmeisterschaft meist nicht wegen den Fotografen, aber man kann sicher sein, dass die Fotos, die man dort in der Hand hält von einem “Aficionado” geschossen wurden.

Irgendjemandem, der mit 15 Jahren die alte Kamera vom Vater geerbt und auf der Stelle geliebt hat oder dem heutzutage mit 12 die Foto-App auf seinem Handy ein bisschen mehr gibt als seinen Mitschülern. Und schon treten diese Mädchen und Jungs in einen Diskurs ein. Kunstgeschichte wird viel zu elitär wahrgenommen. Die Fotografie hat erst richtig Fahrt aufgenommen als Kunstform, nachdem die kleineren Apparate für die einfachen Leute zugänglich gemacht worden waren. Und das ein Mädchen in der 6. Klasse mit seiner Handy-Kamera ein von der Resonanz her aber auch künstlerisch besseres Bild machen kann, als jemand mit einer dreijährigen Ausbildung und 10jähriger Erfahrung geht natürlich vielen gegen den Strich. Fotografie wird zum Alltag, das einzelne Bild zum Dokument. Die Arrivierten schreien auf. Gut so.

Denn eigentlich kann man daran nichts Negatives finden. Vom ersten Bild mit dem Handy bis zum eigenen Stil durchlaufen diejenigen, die wirklich am Ball bleiben, ganz ähnliche Phasen. Bei manchen sind diese Phasen kürzer als bei anderen, manche bleiben auch in einer der Phasen stecken und geben es aus Mangel an Interesse und Durchhaltevermögen erstmal auf. Die Entwicklung ist was uns eint. Und innerhalb dieser Entwicklung ist uns so viel Unterschiedliches aber auch so unfassbar viel Ähnliches passiert, dass man als Fotograf mitunter ständig Menschen trifft, die deine Erfahrungen und deinen Blickwinkel vollkommen nachvollziehen können. Egal ob seit einem Jahr dabei oder seit fünf. Ben Bernschneider hat das letztens in einem Interview bei Ben Hammer ganz treffend zusammengefasst. Bei ihm ging es um die negativen Aspekte der Fotografen-Community und die teilweise vorherrschende Missgunst:

“Du suchst dein ganzes Leben lang nach Menschen, mit denen du dich unterhalten kannst, mit denen du irgendwas teilen kannst. Und ein Garant dafür, für Fotografen, für Leute, die gerne Bilder machen […] oder Leute, die einfach ne Latte kriegen, wenn sie ihre Bilder sehen, einfach da ihre Lust und alles herschöpfen. Wie kann man diese Leute denn gerade doof finden und wegschubsen? […] Der Konsens, dass man das Gleiche macht, find ich ganz wunderbar.”  

Mein Blick geht mittlerweile in zwei Richtungen. Ich habe meine geliebten Fotografinnen und Fotografen unter den Klassikern und in meiner Generation gefunden und finde jede Woche neue,  bin aber gleichzeitig fasziniert, was Leute mit ihren Instagram Accounts anstellen oder plötzlich auch wieder mit den kleinen Lomodingern und Film. Die Kultur ist so zugänglich wie nie, die Stilrichtungen so verschieden wie es für Fotografen in den 60ern wahrscheinlich nicht mal annähernd denkbar war. Je mehr ich von diesen Leuten kennenlerne zur Zeit, desto elektrischer wird das Gefühl, das ich habe, in meinen Gedanken ein Teil dieses großen Summens zu sein, auch wenn es bei mir so ist wie bei Leopold Federmair:

 “Tatsächlich existierte und existiere ich nur am Rand dieses Betriebs.”

BESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswyBESbswy