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Meine Liebe zu den 60er Jahren in Sachen Film, Musik und Fotografie habe ich hier ja bereits öfter zum Ausdruck gebracht. Vor allem die Songs und Musiker dieser Zeit begleiten mich im Alltag, bei Shootings und am Wochenende, wenn ich mit meinen Büchern und Platten in der Wohnung herumliege.

Zum Einen wäre da die psychedelic Rock Ära, Surf Rock und britischer Psychedelic, die mich anfixen (Songs, die in Filmen meist benutzt werden, wenn es um Vietnam geht oder jemand in irgendeinem Drogenrausch versuppt) – zum Anderen ist da die unvergleichliche Soul Musik der späten 50er und frühen 60er. Von Gospel bis Doo-Wop höre ich da fast alles, aber vor allem Sam Cooke, Otis Redding, Marvin Gaye, The Temptations und wie sie alle heißen. (mehr …)

Drei Brüder aus Detroit formen eine Band mit dem Namen „Death“. Anfang der Siebziger. Für die Zeit vielleicht eine Revolution, aus unserer Sicht jedoch noch keine wirklich faszinierende Geschichte.

Was diese Band dann zu einer Story macht, ist der Fakt, dass es drei Brüder waren, die nicht den zu der Zeit gängigen Motown Sound verfolgten, sondern harten Rock im Kopf hatten.

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Noch vor den Ramones, vor den Pistols nahmen die drei Garagenpunk in ihrem Kinderzimmer auf.  Allein der Bandname machte es ihnen damals unmöglich einen Plattendeal zu bekommen. Da sie ihre Identität jedoch nicht für eine Plattenfirma verleugnen wollten, starb das Projekt und die „Death“-Mastertapes wurden auf dem Dachboden eines der Bandmitglieder verstaut.

Die drei Brüder David, Bobby und Dannis begannen früh zusammen Musik zu machen, formten zuerst eine Funk Band, doch als Band-Leader David „The Who“ bei einem Konzert in Detroit sah, war es um ihn geschehen. Das war was er wollte und was die Band verkörpern musste. Rock and Roll schallte fortan aus den Fenstern ihres zum Probenraum umgebauten Kinderzimmers. Ein Grauen für die Nachbarschaft, die nun täglich dieser „White Boy Music“ ausgesetzt wurde. Aber die Jungs ließen sich nicht beirren und versanken tiefer und tiefer im Rock’n’Roll je mehr Gegenwind sie bekamen.

Eines Tages starb ihr Vater bei einem Unfall. Er war Elektriker und hatte eine Hilfskraft bei einem Job dabei. Der Helfer hatte einen Fehler gemacht und einen heftigen Stromschlag bekommen, woraufhin ihn der Vater der Brüder ins Krankenhaus fahren wollte. Auf dem Weg dorthin fährt ihm ein betrunkener Fahrer in den Weg und er stirbt sofort beim anschließenden Zusammenstoß. Es war ein Schock für die Brüder und besonders David nahm das Ereignis mit. Kurze Zeit später erzählte er seinen Brüdern, er habe jetzt den Namen für die Band gefunden. Er holte sie hoch in den Probenraum und enthüllte seine Eingebung: „Death“ – so würde die Band heißen und das Konzept für das sie stehen würden. Die Brüder stimmten zu, sie hatten von ihren Eltern gelernt, sich untereinander immer zu unterstützen, auch wenn sie vielleicht nicht der Meinung des Anderen waren. Die Band hatte ihren Namen gefunden und zugleich ihr Schicksal besiegelt. Denn auch wenn einige Plattenfirmen Interesse an ihnen zeigten, der Name wurde von allen abgelehnt. Sie versuchten es mit einer selbst gepressten 45″ Single, doch auch die stoß überall auf Ablehnung. David ließ sich nicht von seinem Konzept abbringen und so verschwand Death in der Versenkung.

Die beiden anderen Brüder machten weiter Musik, formten eine Reggae-Band und hatten mäßigen Erfolg. 2000 verstarb David. Er hatte Lungenkrebs. Vor seinem Tod gab er seinem Bruder noch die Master-Tapes von Death. „Irgendwann wird die Welt kommen und danach suchen“, sagte er, „dann musst du sie haben.“ Er hatte den Glauben an ihre Musik nie verloren. Die Tapes verschwanden auf einem Dachboden. Bis acht Jahre später plötzlich die beiden Songs der selbst gepressten Single im Internet auftauchten und das Vinyl mittlerweile für 800 Dollar bei Ebay gehandelt wurde. Über die Söhne eines Bandmitglieds kamen die News zur Band zurück. Der Rest ist Geschichte…

2009 veröffentlichte Drag City Records die Bänder als 7-Track Album mit dem Namen „…For the World to see“ und es entstand ein kleiner Hype um die Brüder. Es gab Reunion Konzerte und die restlichen Bänder der Band wurden ebenfalls veröffentlicht. Jetzt erscheint im Juni eine Dokumentation, die einen sehr viel versprechenden Trailer mit bekommen hat. Wer die Band noch nicht kennt, sollte sich die Alben mal anhören, „For the World to see“ läuft seit Wochen in meinem Auto heiß, ein geniales Album, obwohl es nur 7 Songs sind.

Ein Traum: Ich trete in die Pedale des rotkohlfarbenen Hollandrades meines Großvaters. Meine Beine sind gerade lang genug, dass ich bei beim Treten meine Füße nicht mehr abwechselnd vom Pedal nehmen muss. Es ist Sommer, die Eichenbäume in den Alleen wippen im warmen Wind. Ich bin in Spexard, genauer in der Neubausiedlung, in der der Bolzplatz lag, auf dem ich meine besten Fußballjahre verbracht habe. Sonst erkenne ich nichts, die Umgebung verschwimmt. An einer großen Wiese angekommen, werfe ich das Fahrrad in das kniehohe Gras, wo bereits andere Räder verstreut liegen. Ich schließe mich einer großen Gruppe von Leuten ohne Gesichtern an, die alle einen Film auf einer kleinen Leinwand schauen, den ich bereits kenne. Der Traum verzerrt, die Sonne scheint unterzugehen. Das Ende des Filmes ist begleitet von Stille, wie in dem Film „No Country For Old Men“, niemand spricht, als die Produktionsinformationen über den schwarzen Hintergrund rutschen. Doch alle sind sich einig, einen großartigen Film gesehen zu haben. Ich weiß bereits, dass er großartig ist, bevor er endet, ich habe ihn ja schon gesehen.

Plötzlich verlassen die Menschen die Wiese und ich bleibe zurück. Während der Vorführung hatte ich meine Schuhe ausgezogen, nach denen ich dann unter der Decke Suche, die ich auf dem trockenen, braunen Gras ausgebreitet hatte. Statt der Schuhe, in denen ich gekommen war und die ich angestrengt auf die Pedale gepresst hatte, finde ich alte Schuhe von mir, Schuhe, die ich trug, als ich eingeschult wurde. Sie passen nicht mehr, also laufe ich Barfuß zurück zu meinem Fahrrad. Auf dem Weg stolpere ich dann immer wieder über Schuhe. Schuhe, die ich irgendwann in meinem Leben getragen habe. Auch Schuhe, die ich hier mit in Amerika habe. Ich versuche so viele wie möglich davon auf meinen Gepäckträger zu spannen und springe auf den Sattel. Nach einigen angestrengten Tritten mit meinen nackten Füßen lasse ich das Fahrrad einfach rollen…und wache auf.

Diesen Traum hatte ich in der letzten Nacht. Vollgepumpt mit amerikanischen Erkältungspillen, die nur mit den polnischen Totschlagtabletten, die ich in Zabrze genommen habe, vergleichbar sind. Um 2:37 AM wachte ich auf und erinnerte mich sofort an den ganzen Traum, den ich sofort in mein amerikanisches Notizbuch notierte. Ich erinnere mich nie an Träume, wenn sie nicht mit Flugzeugabstürzen zu tun haben. Gibt es professionelle Traumdeuter unter meinen Lesern? Eine einleuchtende Erklärung für eben diesen als Kommentar in diesem Post wäre sehr hilfreich.

Auch jetzt bin ich immer noch „unter Drogen“. Mir geht es besser und nach einem Tag voller Schlaf, Fieber und vier Litern Wasser konnte ich den heutigen Freitag wieder bewusst erleben. Es war ein merkwürdiger Tag, der erste Tag, an dem ich ein ungewöhnliches Gefühl hatte. Ich fühlte mich zu Hause. Ich wachte um sieben Uhr auf und hatte noch drei Stunden bis zu meinem ersten Kurs. Becky kochte mir Kaffee und ich reizte die Cornflakesauswahl ein weiteres Mal aus. Dann schrieb ich eine vier Seiten lange Geschichte in mein Notizbuch. Dafür brauchte ich zwei Stunden.

Der Kurs um zehn Uhr war wie zu erwarten relativ langweilig. Doch ich hatte bereits den nächsten Punkt meiner Tagesplanung im Kopf: Meine Creative Writing Klasse. Da ich am Mittwoch nicht teilnehmen konnte, wurde ich heute herzlich empfangen. Die kleine Gruppe hat mich bereits so herzlich aufgenommen, dass ich vermisst wurde. Wir schrieben eine Story, die bestimmte Inhalte aufgreifen sollte, die wir nun am Wochenende beenden sollen. Danach besprachen wir die Stücke zweier Studenten. Eines war in Tagebuchform geschrieben. Der Stil war eine Mischung aus Jack Kerouac und Holden Caulfield. Wir hatten eine unglaublich tiefe Diskussion. Leider geht der Kurs immer nur 45 Minuten, doch danach ging ich noch mit einigen der Schreiber einen Kaffee trinken. Mit Leuten über das Schreiben zu reden fehlt mir in Deutschland sehr. Nicht das Schreiben, wie ich es hier auf meinem Blog praktiziere. Ich lese meine Blogtexte nur selten ein zweites Mal durch, was man ihnen wahrscheinlich auch anmerkt. Doch das, was ich mit „Pulp“ schon angedeutet habe und was ich mit weiteren kostenlosen Downloads fortführen werde, bedarf einer Auseinandersetzung, die ich in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen nicht finde.

Um 6 PM gab es heute eine kostenlose Filmvorstellung in der Uni. Der Drachenläufer wurde gezeigt, ein schöner Film, auch zu empfehlen, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Doch auch das sollte man tun.

Mehr als die Hälfte meiner Zeit in Amerika ist bereits vergangen; sehr schnell vergangen. Viele Dinge werde ich erst realisieren, wenn ich zurück in Deutschland bin und zurück blicke. Einige Dinge werden mir jedoch auch hier schon bewusst.

„Ich bin nicht mehr derselbe, zumindest in meinem tiefsten Innern nicht.“ So endet Ernesto Guevaras Vorwort zu seinem Tagebuch der ersten Lateinamerika-Reise Anfang der Fünfziger. Ich hatte mir vorgenommen, diesen Satz am 27. September im Flugzeug sitzend auf den Rücken meines Notizbuches zu ritzen. Doch ich muss einsehen, dass man einen Sturkopf wie mich wohl nicht ändern kann, nein nicht ändern muss. Schon garnicht in vier Wochen. Denn egal wo man ist, ist man doch trotzdem immernoch mit sich allein. Und ob ich unter fiepsendem Grillengezirpe im amerikansichen Korngürtel den großen Wagen am Himmel stehen sehe, oder um drei Uhr morgens in einen Bademantel gewickelt auf meinem Balkon, das Sternbild und mein Gefühl bleiben dieselben.
Doch mit einer Frage hatte der „Fuser**“ recht: „Was ist das, was wir beim Überqueren einer Grenze verlieren? Jeder Moment hat zwei Seiten: eine voller Melancholie; und eine voller Begeisterung und Vorfreude auf neue unbekannte Länder.“

* Fancotirador: „Freischärler“
** Che Guevara wurde in Argentinien „El Fuser“, der Zünder genannt