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Mein Leben hat sich in den letzten zwei Jahren grundlegend verändert. Der Versuch, die Kunst Stück für Stück, Fotografie für Fotografie und Text für Text wieder in mein Leben zu ziehen nahm meine gesamte Zeit in Anspruch. Gelungen ist das Ganze zumindest so weit, dass ich mich in meiner aktuellen Situation zum ersten Mal seit sehr langer Zeit und vielleicht zum ersten Mal überhaupt wirklich glücklich und einig mit meinem Lebensentwurf fühle. Nach und nach konnte ich die meisten „was wenn“ und „hätte ich doch“, die ich in meinen Zwanzigern angesammelt habe, in einige sehr gute, einige sehr schlechte und einige sehr merkwürdige Erfahrungen umwandeln. Für mich fühlt sich das wie Erfolg an. Nicht mehr Treibgut zu sein in dieser Welt, sondern aktiv Wege zu gehen, die manchmal zum Ziel führen, ganz oft aber auch nicht.

Also wie definiere ich für mich Erfolg? Ich kann von meiner Fotografie nicht leben. Das Vorweg. In den sozialen Medien entsteht immer ein Bild, das mit der Realität sehr wenig zu tun hat. Oft treffe ich Menschen, die einfach und ganz natürlich davon ausgehen, dass ich zu 100 Prozent von meiner Fotografie lebe. Sie vertauschen eine gewisse Bekanntheit in der Szene mit dem realen (wirtschaftlichen) Erfolg eines Fotografen. Dass ich noch nicht ganz davon leben kann hat mehrere Gründe. Über die mache ich mir gerade jedoch nicht wirklich Gedanken. Denn seit April bestreite ich zumindest schon mal die Hälfte meines ausschweifenden Lebensstils mit dem Schreiben und der Fotografie. Einige Magazine, einige Brands, einige private Kunden, einige Hochzeiten. Es kommt einigermaßen hin. Und zwar so, dass ich nun an 4 von 7 Tagen der Woche selbst entscheiden kann, was ich tun möchte oder eben nicht. Meinen Hauptberuf übe ich jetzt nur noch halbtags aus. Die letzten 10 Jahre habe ich Vollzeit als Projektleiter in der Bildungsbranche gearbeitet. Diese dazugewonnene Freiheit ist für mich immer noch jede Woche etwas Besonderes! Dass ich gerade an einem Montag Morgen vor einem Café in der Sonne sitze und bei einem langsam kalt werdenden Kaffee einen Beitrag für meinen Blog schreibe. Definiere Glück! Für mich ist das großes Glück. Und ich bin sehr dankbar, dass mir meine „Kunst“ dieses Glück ermöglicht. Davon habe ich geträumt, jahrelang.

Eine Begleiterscheinung der wiedergewonnenen Zeit ist, dass ich wieder sehr viel schreibe. Und lese. Und die alte Liebe zur Literatur wieder entfacht ist. Ich springe in den Kunstformen je nach Tagesform und aktuellen Interessen. Per Zufall. Nach meinem Shooting mit Hannah vor einer Woche bin ich wieder knietief in den Gedichten von Mascha Kaléko versunken. Zuvor hatte June die Tagebücher der Anaïs Nin für sich entdeckt und ich konnte nicht umher, mit ihr und Anais und Henry Miller ein paar Wochen durch die dreckigen Straßen von Paris zu schlendern. Dann plötzlich ein Nachmittag, an dem mir wieder mein Bildband von Saul Leiter in die Hände fällt und ich mich über Tage in seiner Poesie verliere. So war es immer schon in meinem Leben. Alles ist miteinander verbunden und ich schlittere ansatzlos von einer Phase in die nächste, von dieser Autorin zu diesem Maler zu diesem Fotografen, die Inspiration ist endlos.

Nur gibt es jetzt einen entscheidenden Unterschied. In meinen Zwanzigern ging ich auf diese Reisen immer mit einem dicken Gepäckstück auf dem schmalen Rücken: „Ich muss eigentlich etwas anderes tun gerade!“ Eine „richtige“ Berufung finden, mein Studium abschließen, alles andere war wichtiger als die Träumereien, in denen ich mich ständig verlor. Damit ist jetzt Schluss. Wenn ich mir einen Tag, ein Wochenende oder noch mehr nehmen möchte, um die Tagebücher von Max Frisch zu durchblättern, dann mache ich das! Alles das hat Einfluss auf mein Handeln und meine kreativen Prozesse in der Zukunft. Ich werde dazu ausführlich in der neuen Ausgabe des BUNT Magazins schreiben und auch bei einem Event in Duisburg im Juli während eines kleinen Vortrags darauf eingehen, was ich damit meine. Es ist eine Variation von den Gedanken, die ich hier auf dem Blog schon ein mal formuliert habe.

Ich habe gerade den Rest meines kalten Kaffees runtergekippt. Die Sonne scheint zwischen dunklen Wolken. Auf meinen Kopfhörern habe ich „You can’t always get what you want“ auf Dauerschleife. Ich werde jetzt an einem Artikel über eine Band aus den 70ern weiterschreiben, den Ihr im Herbst an eurem Kiosk finden werdet. Definiere Glück…

You can’t always
get what you want
But if you try sometimes
well you might find
You get what you need

Der Tiefpunkt kam vor etwas weniger als drei Jahren. Mit 28 hatte ich den Versuch aufgegeben, Romane zu schreiben und mit knapp 30 war es damals noch nicht abzusehen, dass die Fotografie mich irgendwann erlösen würde. Zu dieser Zeit blutete mein Drang, mich künstlerisch ausdrücken zu wollen einfach unsinnig und unkontrolliert aus mir heraus. Denn Melancholie, die nie aufhört, ist keine. Keinen Roman zustande gebracht zu haben, hinterließ eine Wunde, die in genau dieser Zeit vor drei Jahren zu entzünden drohte. Ich suchte den Ausweg aus den dunkleren Winkeln meines Kopfes in Filmen und scharrte meine Lieblinge wieder eng um mich. Ein gutes Jahr, Finding Forrester, Motorcycle Diaries, Before Night Falls, Shadows in the Sun, Into the Wild. Ich schaute diese Filme beinahe täglich, manche 20 oder 30 mal. Einige der Filme, die für mich stark zu meiner „sentimental education“ beigetragen haben, sind von dem amerikanischen Regisseur Cameron Crowe. Nicht der Cameron von Titanic sondern „Jerry Maguire“, „Elizabethtown“ und vor allem „Almost Famous“.

Genau diesen Film hatte ich zu dieser Zeit mal wieder geschaut, nachts, im Weinrausch, mit offenem Herz und etwas zu anfälliger Seele. In dem Film geht es um die autobiografische Geschichte Crowes, der Anfang der 70er mit nicht mal zwanzig Jahren zusammen mit dem befreundeten RocknRoll Fotografen Neal Preston unter anderem die Allman Brothers Band für den Rolling Stone als Journalist auf Tour begleiten durfte. Der Film beinhaltet einige der Keimzellen von allem, was ich jetzt als Bob Sala in die Welt male. Nachdem ich den Film mal wieder geschaut hatte, beschloss ich, mich an meine Schreibmaschine zu setzen und Cameron Crowe einen Brief zu schreiben. Da ich betrunken und gefühlsduselig war, artete es ein wenig aus und am Morgen hatte ich dann eine zweiseitige Liebeserklärung getippt, inklusive einer finalen bitte um Adoption. Ich suchte ein, zwei Adressen aus dem Netz, Produktionsfirmen, Agenturen und schickte Kopien des Briefes nach Amerika. Eine Antwort bekam ich nie.

Das Cover der europäischen DVD des Films zeigt Kate Hudson, in Unterwäsche vor einem Hotelbett, im Hintergrund eine Gitarre, violette und neonblaue Farbgebung, keine Pose, einfach nur Sie und ihr Blick in die Kamera. Einer der ersten Versuche als Bob Sala war es, genau diese Szene mit einem Model nachzustellen. Eigentlich wollte ich wie Neal und Cameron mit Bands mitreisen, doch all meine Briefe an die Bands, Labels, Magazine und Tour Manager blieben unbeantwortet. Was daran gelegen haben mag, dass ich kein Portfolio hatte und einfach nur dreiste, biertrunkene Briefe im Stil Hunter S. Thompsons in meine IBM hackte. Ich wollte sein wie Lester Bangs, der im Film unfassbar genial von Philip Seymour Hoffman gespielt wurde. Eingesperrt zwischen seinen Platten, die ganze Nacht vor der Schreibmaschine.

Aber was ich mir zu eigen machen konnte aus der Welt von Almost Famous waren die Band Aids. Mädchen, die die Musik lieben, die Texte auswendig können, die Platten sammeln, nichts lieber tun, als mit ihrem Lieblingsalbum und fetten Kopfhörern in ihren Schlafzimmern zu sitzen und die Lyrics in den Booklets mitzulesen. Penny Lane ist ein Geist, der auf meinen Bildern lebt und der gleichzeitig Inspiration und Wegweiser für die erste Phase meiner Fotografie wurde. Seitdem ist viel passiert. Mein Herz hält längst nicht mehr Schritt mit allem, was ich zurückbekomme. Jede Flaschenpost, die ich in den letzten beiden Jahren ans Universum geschickt habe, wird dieser Tage eine nach der anderen beantwortet. Durch die Fotos, die ich mache, lerne ich beinahe täglich Menschen mit denseben kulturellen Einflüssen kennen. Zufall und Bestimmung wechseln sich wöchentlich ab in meinem Postfach.

Eines Tages führte das Schicksal mich dann auf einer Veranstaltung hier in meiner Stadt zu Giulia Calani. Giulia ist Galeristin. Sie organisiert Ausstellungen. Wir wurden einander vorgestellt. Ich als Fotograf, sie als Ausstellungsorganisatorin. Ihre erste Frage: „Kennst du vielleicht Neal Preston?“

Dass ich in einem Dorf wohne ist ein Fakt, der mir mittlerweile regelmäßig vorgeworfen wird. In eine größere Stadt zu ziehen, um mit meiner Fotografie weiterzukommen, scheint für viele der logische Schritt. Und dann treffe ich auf einer kleinen Kreativveranstaltung in Paderborn die Galeristin von Neal Preston. Giulia arbeitet für die Lightpower Collection. Dort hat man viele von Neals Bildern gekauft und organisiert nun Ausstellungen und Verkäufe. Die Gelder, die damit eingenommen werden, werden komplett gespendet. Ich antwortete ihr, dass ich Neal sehr wohl kenne und ein großer Fan sei. Tatsächlich habe ich drei Bücher von Neal in meiner Wohnung. Er war der offizielle Tourfotograf von Led Zeppelin in den 70ern und hatte außerdem so gut wie jede meiner anderen Lieblingsbands vor der Kamera. Giulias nächste Frage war, ob ich den Film „Almost Famous“ gesehen hätte.

Wir redeten nicht viel mehr an dem Abend, aber verabredeten uns zu ein paar Cocktails ein paar Wochen später. Und wie es der Zufall will, fiel das alles in die Planung der aktuellen Ausstellung von Neal. In Gütersloh, meiner Heimatstadt (kann man sich bis Ende November im Theater Gütersloh geben, Samstag is Kick-Off und Lesung). Es war schnell klar, dass Giulia mich in die Veranstaltung involvieren und ich den Mann kennenlernen würde, der zu Teilen verwantwortlich für dieses Bob Sala Zeug ist. Ungläubig verbrachte ich die letzten Wochen damit, seine Interviews und Essays wiederzulesen und mich auf die Ausstellung zu freuen. Was könnte ich ihn Fragen, wenn ich ihn sehe? Geheim hoffte ich, dass er einfach nur erzählen würde, wenn wir uns treffen. Ich kenne viele seiner Geschichten, aber ich wollte sie von ihm persönlich hören. Und in dieser Woche startet die Ausstellung endlich mit einigen Veranstaltungen. Ich sollte Neal eigentlich morgen auf der Vernissage kennenlernen. Bis Giulia mir gestern eine Nachricht schickte, ob ich um viertel nach sieben am Arosa Hotel sein könne. Wir würden dann mit Neal essen gehen. Ich bin halb durchgedreht, sprang noch schnell unter die Dusche und rannte aufgeregt durch die verregneten Straßen während ich den „Oogum Boogum Song“ auf den Kophörern hatte. Die beiden warteten schon auf mich vor dem Hotel.

Neal war genau wie ich ihn von einigen Bildern her kannte. Schlank, nicht der größte, schütteres Haar, zurückgekämmt a la Bukowski und zu meinem Glück von der ersten Minute an sehr gesprächig. Ich hatte mir unser Treffen schon das eine oder andere Mal ausgemalt. Wie es am Ende gelaufen ist, hatte ich nicht zu träumen gewagt. Wir sprachen über seinen guten Freund Cameron, er zeigte mir ein Bild auf seinem Handy, das jemand von ihm und Crowe gemacht hatte, während sie vor Pete Townshend stehen und grinsen wie kleine Jungs. „Ich bin einfach immer ein Fan der Musik geblieben. Und wenn ich vor meinen Idolen stehe ist das immernoch das Größte für mich!“ sagte er zu mir, während er das Bild beschrieb. Er überlegte kurz, Cameron für mich auf der Stelle anzurufen. Dann erzählte ich ihm von meinem Brief. Neal verpsrach mir, den Brief persönlich an Cameron weiterzugeben. Ich durfte so viele Geschichten mit ihm noch einmal erleben, während er weitererzählte. Anzügliches mit Courtney Love, ein Fotoshooting mit Springsteens Frau im Chelsea Hotel, Super Bowl Wetten mit Matt Damon, Backstage Geschichten von Led Zeppelin, Fleetwood Mac, Ten Years After, Sly and the Family Stone. Und dann kamen wir zu Almost Famous. Er erzählte vom Dreh, von den wahren Geschichten, auf denen der Film basiert. Von der echten Penny Lane, die ihn vor kurzem noch besucht hatte und von diesem einen Bild. Kate Hudson vor ihrem Hotelbett mit der Gitarre im Hintergrund. Neal erzählte, dass alle Stills zum Film von ihm seien. Und dieses Bild, das als Szene im Film gar nicht vorkomme, hatte er spontan mit Kate Hudson gemacht, als sie im Ambassador Hotel in Kalifornien drehten, dort wo man Robert Kennedy angeschossen hatte. Er habe das Licht in dem Zimmer gesehen, dazu die Gitarre und Kate gefragt, ob sie nicht Lust hätte, ein paar Fotos zu machen. Sie sagte zu und so entstand die Vorlage für meine ersten Arbeiten. Vielleicht sogar der Vibe für alles.

Ich könnte noch viel mehr erzählen, aber die schönsten Geschichten behalte ich einfach für mich und trage sie in den nächsten Jahren mit mir rum wie kleine Anhänger an meinem Armband. Der gestrige Abend endete in der Hotelbar des Arosa und Neal verstreute noch einige Kontaktbögen und Negative aus den 70ern und 90ern über den Tisch. Ich hatte einen hochroten Kopf, kam aus dem Lächeln nicht mehr heraus und begann nur noch ungläubig mit dem Kopf zu schütteln. Er schenkte mir einen Testprint von einer seiner Aufnahmen aus dem Jahr 1977. Led Zeppelin in Detroit, während der Performance von „Achilles Last Stand“. Er nahm einen Sharpie aus seiner Tasche und begann am oberen Rand ein paar Worte zu kritzeln. Jetzt ist es halb fünf am Morgen, etwa sechs Stunden später. Ich muss gleich zur Arbeit. Doch ein bisschen genieße ich noch die Musik und blicke auf dieses für Neal wahrscheinlich unbedeutende Geschenk. Das vielleicht eine der schönsten Erinnerungen aus diesen Jahren für mich werden wird. Ich überlege, ob ich das hier morgen überhaupt veröffentlichen soll. Vielleicht bin ich ein bisschen zu emotional gerade. Aber andererseits hat Lester Bangs mir die Frage ja schon beantwortet im Film, also hoffe ich, dass ihr mir meine Gefühlsduselei nachseht.

“The only true currency in this bankrupt world is what you share with someone else when you’re uncool.” – Lester Bangs

Feel the nights are starting earlier and end later? Tired of sitting in the dark and moving towards you winter depression? People say you look bleak and your conversations seem to be the same repetitive bullshit time and time again? Maybe it’s because your soul lacks the right amount of proper feeding!

Get through the dark days of the year by giving your brain the proper care! How? Don’t worry, Bob’s got you covered. Here’s a list of things to absorb in four of the relevant fields. No excuses anymore! These lists will make you a better person. Or an alcoholic. But hey.

These lists are random, the order isn’t relevant. Some of my favs on there, but certainly not all. We need some stuff for the summer, too.

Novels/Poems:

  • Hunter S. Thompson – The Rum Diary
  • Thomas Pynchon – Inherent Vice
  • Charles Bukowski – Factotum
  • Roberto Bolaño – The Romantic Dogs
  • Reinaldo Arenas – Before Night Falls
  • Paul Auster – Moon Palace
  • Haruki Murakami – A Wild Sheep Chase
  • Martin Amis – Money
  • Patti Smith – Just Kids
  • Bob Dylan – Chronicles

Movies:

  • Before Night Falls (read book first)
  • The Motorcycle Diaries
  • Almost Famous
  • Fear and Loathing in Las Vegas
  • Factotum (read book first)
  • Inherent Vice (read book first)
  • Beginners
  • Barney’s Version
  • Fight Club
  • The Rum Diary

Albums:

  • Sam Cooke – Live at the Harlem Square Club 1963
  • Bob Dylan – Blonde on Blonde
  • Rolling Stones – Beggars Banquet
  • Led Zeppelin II
  • Country Joe and the Fish – Electric Music for the Mind and Body
  • Jimi Hendrix – Electric Ladyland
  • Creedence Clearwater Revival – Cosmo’s Factory
  • Big Star – #1 Record
  • Father John Misty – Fear Fun
  • Rodríguez – Cold Fact

Photos:

  • Alberto Garcia Alix – Self-Portraits
  • Anders Petersen – Café Lehmitz
  • Saul Leiter – Early Color
  • Ryan McGinley – You and I
  • Peter Beard
  • Saul Leiter – Early Black & White
  • Ben Bernschneider – Tales of an American Summer
  • Purienne.
  • JH Engström – Tout Va Bien
  • Neal Preston – Led Zeppelin

This is how it will affect you:

Get through 1 of each list:

You’re the Dude, I get it. There’s so much to take care of. And listening to old bowling matches on your walkman seems to feed your soul just as much as you need. But you tried.

Drink: Mix yourself a Russian on that.

Absorb 5 of each list:

Buddha, Baby. Your mind has just been transferred to a whole nother universe. Do you feel it in your veins? Enjoy the beginning thrill. See things from the other side? They are good for you, invite them into your life!

Drink: Brugal Añejo, no rocks.

Live in 10 of each list:

This includes some risk. Patti Smith might start appearing in your dreams, questioning your real heart for the arts. When you wake up, there’s Hunter waiting for you with a sliced grapefruit and a Bloody Mary, cause you will need all the Vitamin C you can get. At noon you will already sit by the typewriter, or take your camera, or setup a canvas or whatever it is your beautiful mind now wants to do! Let it out. You are on the other side now! You bought the ticket, now take the ride!

Drink: The Bukowski (six-pack of beer plus whiskey until you dropout)

Wenn ich Kafka lese, blendet sich alles aus. Ich fahre in einen Tunnel mit weißen Wänden. Alle Nebengeräusche klaren sich auf und ein Knoten löst sich. Bei jedem Satz denke ich “Hach”. Die Welt reduziert sich auf Worte, Sätze, simple Konstruktionen, die klare Bilder in mein Gehirn pflanzen, die ich bei all dem digitalen Grützwerk des Tages nicht scharf stellen konnte.

Gestern wollte ich in der Buchhandlung eigentlich nur Roberto Bolaños “Between Parentheses” abholen, die englische Sammlung seiner Artikel und Interviews aus den Jahren 1998 bis 2003. Am Eingang der Buchhandlung ist mir dann das neue Buch von Michael Kumpfmüller, Die Herrlichkeit des Lebens, aufgefallen, von dem ich in irgendeinem Feuilleton-Artikel Positives gelesen hatte. In dem Buch geht es um Franz Kafkas Beziehung zu Dora Diamant, die im deutschen Bewusstsein allenfalls noch zur Millionenfrage bei Jauch taugt.

Ich nahm mir den Roman mit in die Leseecke der Buchhandlung und las zuerst das Nachwort. Danach stieg ich in das erste Kapitel ein und war überrascht, dass sobald die Rede vom “Doktor” war, genau die durch Kafkas Texte bei mir hervorgerufene Scharfstellung begann. Anscheinend brauche ich nur noch den Namen Kafka zu lesen und bin im Fokus, dachte ich nach den ersten Seiten. Aber dann musste ich irgendwann zugeben, dass es einfach die klare Sprache Kumpfmüllers war, die ebenfalls diese Wirkung hat. Ich las noch ein paar Seiten weiter und versank im angebotenen Lounge-Mobiliar. Nach mehreren Kannen Kaffee über den Tag verteilt genoss ich das Ende des Rauschens. Dieses Rauschen, dass sich den ganzen Tag über alles legt, unerreichbar wie der dicke Junge im Kindergarten, der am anderen Ende der Wippe sitzt und dich und deine hilflos schwingenden Beine in der Luft zappeln lässt. Die klare Sprache Kumpfmüllers trat dem Jungen gehörig in den Arsch, also beschloss ich, das Buch zu kaufen. Heute Abend will ich es lesen. Dann schreibe ich weiter.

Vor fast einem Monat standen wir in unserem letzten Stau. Da waren wir bereits kurz vor Paderborn auf der A44 Richtung Kassel. Wir schlängelten uns auf dem Standstreifen an ein paar Autos vorbei, um an einer Raststätte ein letztes Mal mein kleines Schlachtross vollzutanken und einen Kaffee zu trinken. Eigentlich waren mein Bodyguard Ray und ich kaum noch ansprechbar. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits knapp 30 Stunden Fahrt hinter uns. Wir waren am Morgen des Vortages in Barcelona losgefahren, hatten es bis kurz nach Lyon geschafft, wo wir an einem Rasthof ein paar Stunden im Auto schliefen und sind dann am Morgen über die Grenze nach Deutschland.

Jetzt an dieser Tankstelle kurz vor der A33 versuchten wir eine kleine Bilanz zu ziehen:

  • ca. 3700 gefahrene Kilometer
  • wir hatten mehr für Mautgebühren ausgegeben als für Sprit
  • wir hatten einen Campingstuhl und eine Luftmatratze im Gefecht zurücklassen müssen
  • wir hatten auf 6 Camping-Plätzen übernachtet
  • der günstigste Camping-Platz (8 Euro pro Person/Nacht) war der beste
  • ca. 15 Liter Wein, 1 1/2 Flaschen Rum, ca. 3 Liter Cava, ca. 50 Flaschen/Dosen Bier, 1 Glas Pastis
  • Eine Familienpackung Instant-Kaffee
  • 1000 Fotos auf meiner SD-Karte
  • Insgesamt etwa 30 Stunden Schlaf pro Person in 14 tagen

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Hunter S. Thompson sollte 1969 für den amerikanischen Playboy interviewt werden. Wie alles in seinem Leben mussten sich Interviewer und Fotograf da vollkommen nach Hunters Spielregeln verhalten. So wurde ein Trip auf eine Insel geplant und das Team verbrachte ereignisreiche Tage gemeinsam mit Hunter unter Palmen und Sternen. Nur das Interview wollte nicht so richtig und ehe man sich versah, rückte die Deadline näher und Hunter und der Journalist Craig Vetter schusterten in letzter Minute doch noch ein denkwürdiges Interview zusammen.

Ohne Titel4

Copyright: Al Satterwhite, The Cozumel Diary

Der Fotograf, der die beiden begleitet hatte, heißt Al Satterwhite. Er schoß einige Filme durch an den Tagen mit den beiden und archivierte das Material gründlich. Vor einiger Zeit machte er dann ein Buchprojekt daraus und zusammen mit einem Vorwort von Craig Vetter und netten Memorabilia entstand ein kleiner Bildband, der einem Hunter zeigt, wie man ihn nicht oft zu sehen bekommen hat. Einige der Bilder kommen einem bekannt vor, andere zeigen einen fremden Hunter, einen teilweise euphorisch lächelnden Hunter, den man so aus der Öffentlichkeit nicht kennt.

Ohne Titel

Copyright: Al Satterwhite, The Cozumel Diary

Teilweise druckt Satterwhite ganze Kontaktbögen ab. Versehen mit vielen oft gehörten Hunter Zitaten ist ein netter Erinnerungsband entstanden, der natürlich auf die Zielgruppe der Hunter-Aficionados zugeschnitten ist, aber mehr muss es ja auch nicht sein. Mittlerweile gibt es das Buch zu einem schmalen Kurs als ebook. Würde ich nur eingefleischten Hunter Fans empfehlen, denen allerdings unbedingt!

I. Interior

Wie einige von euch mitbekommen haben, war ich die letzten beiden Wochen mit meinem Auto in Südfrankreich und Spanien unterwegs. Neben meiner Sucht nach Meer und Bewegung ist während dieser Zeit auch deutlich geworden, dass die Fotografie mittlerweile aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Neben dem Fakt, dass meine Kamera fast zwei Wochen über meiner Schulter hing und ich die kleinen Küstenstraßen kurz und klein fotografiert habe, wurde meine Zeit unterwegs auch vom Nachdenken über Fotografie bestimmt – Fotografinnen und Fotografen, Shooting Ideen, Models, Mode, alles ging mir durch den Kopf. Wie es dann der Zufall will, betrete ich während eines Stops in Aix en Provence einen kleinen Buchladen, um nach einem kleinen Wörterbuch zu schauen und entdecke im Vorbeigehen auf einem Tisch die Bände „Early Black and White“ von Saul Leiter, die ich schon in Deutschland sehnsüchtig erwartet hatte, seit sie im letzten Jahr angekündigt wurden. Saul Leiters Veröffentlichung „Early Color“ ist mein liebstes Street Fotografie Buch und ein kleines Kunstwerk für sich.

Ich konnte einfach nicht widerstehen. Der Doppelband wanderte in meinen Rucksack und begleitete mich fortan auf meiner Reise. In Cafés und Restaurants, auf Parkbänken und Campingstühlen, auch im Zelt beim Licht meiner Taschenlampe und im Auto, während dicke Regentropfen auf das Fenster schlugen, das Buch gehört für mich zu den letzten zwei Wochen wie die Fotos, die ich selbst geschossen habe. (mehr …)

Look, it’s the Band! – Der Engländer rüttelte seine Freunde am Kragen und schob ihre geschwollenen Köpfe in unsere Richtung.

Die Band, das waren wir: Ich, mein Bodyguard Ray, unser Lead Tim, den Gitarrenkasten geschultert, sein Fotograf Speedy, die Kameratasche geschultert, und unser slawischer Booker Zwady, der seinen Booker-Hut schief trug. Die Bude war vollgestopft mit Engländern, die den zwei einzigen Frauen im Laden abwechselnd an der Karaoke-Maschine einheizten. Der Schweiß lief die Wände runter und tropfte von der Decke. „Das ist mein Laden.“ Tim grinste, stellte seine Gitarre auf den nassen Boden und zog sich die Jacke aus.

Doch ich muss früher anfangen. Viel früher. Ein ganzes Jahr früher, oder zwei. Und gleich etwas klar stellen: Für mich gibt es nur ein einziges Kriterium, das ein Schriftsteller erfüllen muss, um in meinen Kanon der ganz Großen aufgenommen zu werden: Nach der letzten Seite eines Buches muss ich das unbedingte Bedürfnis verspüren, mit dem Autor einen heben zu gehen. Da gibt es dann noch einige Abstufungen: Autoren, mit denen man ein paar Gläser nehmen möchte, die, mit denen man einen guten Abend verbringen will und die Königskategorie, die, mit denen man abstürzen will, hart, ein Verbrüderungsbesäufnis Dylan Thomas‘schen Ausmaßes. Aber im Grunde stelle ich keine weiteren Anforderungen an ein Buch. Und selbst das kriegen nur wenige Autoren hin. Bukowski, Thompson, Hemingway, klar, Amis, Bolaño, Nizon, gut, heute vielleicht noch Marc Fischer, Glavinic, Politycki, aber dann wird es schwach, dünn bestenfalls, wenn man die raus streicht, die sich das ganze schon durch die dicke Erdschicht mit angucken müssen. (mehr …)

Locke schlägt an, sobald man am Fenster des blauen VW-Busses vorbei läuft. Wenn man zuvor Oliver Lücks Neues vom Nachbarn: 26 Länder, 26 Menschen gelesen hat, weiß man aber: Locke bellt, das liegt ihr als Hofhund (Hovavart) im Blut, nur aus Prinzip.

20 Monate war Journalist Lück mit seiner Hündin Locke in Europa unterwegs. Als sie losfuhren war sie noch ein Welpe, doch „mit der Zeit wurde Locke immer größer und der Bus immer kleiner“. Später diente Locke mehr und mehr als Wachhund und Gesprächspartner für Lück, der für seine Kolumne bei Spiegel Online auf der Suche nach Geschichten war, Geschichten aus Europa, Geschichten von und über Menschen aus verschiedensten Ländern. „Zu Anfang bin ich einfach losgefahren“ sagt Lück, „und habe geguckt, wen ich treffe. Damals hatte ich auch noch meine Kolumne ‚Lück und Locke‘, ich wollte zwei Texte pro Monat liefern. Ich war also auf der Suche, was ja auch den eigentlichen Grund ausmacht, weshalb man sich auf so eine Reise begibt. Man möchte neue Sachen kennen lernen, fremde Länder und Regionen. Aber im Endeffekt läuft es doch immer wieder auf die Menschen hinaus, die man trifft. So ist es immer gewesen. So verbindet man spezielle Orte immer auch mit bestimmten Menschen, die diesen Ort für einen ausmachen.“ (mehr …)