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Workshop mit Alberto García-Alix

Am kommenden Wochenende nehme ich an einem Workshop des Fotografen Alberto García-Alix in Frankfurt teil. Veranstaltet wird das Ganze vom Fotografie Forum Frankfurt, mit Unterstützung vom Instituto Cervantes. Die Ankündigung zum Workshop verspricht interessante Tage mit viel Praxis:

Alberto García Alix ist einer der bedeutendsten lebenden Autoren der internationalen Fotoszene. Literat, Verleger, Biker, visueller Künstler – dieser außerordentlich facettenreiche Lehrer wird mit den Teilnehmern die Intimität seiner fotografischen Arbeit teilen, über seinen kreativen Trieb und dessen Erleben sowie über die Metapher als ein Element des Überlebens und der Erforschung des Persönlichen sprechen.

Nachdem Alix und die Teilnehmer sich über fotografische Visionen und Positionen ausgetauscht haben, wird der Künstler zusammen mit der Gruppe Porträts der Teilnehmer und fremder Personen in der Stadt produzieren. Am nächsten Tag werden die Ergebnisse und Erfahrungen diskutiert.

Der Workshop wird in spanischer Sprache mit Übersetzung ins Deutsche stattfinden.

Workshop-Inhalte u.a.

Porträt, Selbstporträt, Streetphotography, Editing

Workshop-Ablauf

1. Tag: Treffen um 10 Uhr im Fotografie Forum Frankfurt, Weißfrauenstr. 1, 60311 Frankfurt. Zu Beginn wird eine Einführung gegeben. Nach der Vergabe der Aufgaben werden die Teilnehmer fotografieren. Am Abend werden die belichteten Filme bzw. Chipkarten des Tages für die Entwicklung abgeben.

2. Tag: Treffen um 10 Uhr. Die Ergebnisse vom Vortag werden besprochen und redaktionell ausgewertet.

Ich habe mir vorgenommen, abends von den Tagen zu bloggen, mal sehen, wie es wird.

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Robert “Bob” Sala

the-rum-diaryManchmal gibt es einen Roman, ein Foto, einen Film, der einen ein Leben lang begleitet, der Einfluss nimmt auf die eigene Denke oder das Schreiben oder die Fotografie. Für mich ist das der Roman “The Rum Diary” von Hunter S. Thompson. Seit Jahren komme ich immer wieder zu diesem Buch zurück, lese es ein weiteres Mal, fühle mich heimisch und treffe alte Bekannte.

Zu diesen Bekannten gehören vor allem Paul Kemp, der Protagonist, und sein bierbäuchiger Fotograf Robert “Bob” Sala, die mich mitnehmen auf ihren wilden Eskapaden unter der Sonne Puerto Ricos. Vielleicht kann ich ein bisschen vom Geiste der beiden in meinen Texten und Fotografien konservieren, ich versuche es zumindest. Deshalb soll es keinen wundern, wenn hier abwechselnd sowohl Bob als auch Paul zu Wort kommen. Meine kleine Hommage an zwei ungelebte Leben.

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Die Kunst des Feldspiels

Baseball war schon immer ein merkwürdiger kleiner Teil meines Lebens. Vielleicht seit “Herkules und die Sandlot Kids”, vielleicht seit den ”Indianern von Cleveland”, aber eigentlich weiß ich nicht seit wann oder wieso.

Ich schaue nie Baseball Spiele, begeistere mich eher für die kulturelle Rezeption dieser Sportart in Film und Fernsehen. Während der Sommerferien habe ich mal selbst gespielt, war nicht schlecht im Schlagkäfig, hatte zu weiche Arme zum Pitchen und habe beim dritten Training in Verwunderung über die Flugdauer kurz über den Handschuh geblickt und den Ball mit voller Wucht auf die Nase bekommen. Das Blut spritzte aus meinem Kopf, aber davon bekam ich bereits nichts mehr mit, da ich in Ohnmacht gefallen war. Die Schilderungen meiner Mannschaftskollegen waren sehr plastisch, sie kommen mir wie meine eigene Erinnerung vor. Am nächsten Tag bin ich wieder mit den anderen Jungs zum Fußball. Continue reading…

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Der Nagel in Deckers Herz

Den Rest des Tages verbrachte ich im Waschkeller und benutzte illegal und unbemerkt die Waschmaschine und den Trockner meines Nachbarn. Um kurz nach acht stand ich dann in Uniform vor Deckers Tür: Schwarze Schuhe, schwarzes Hemd, schwarzes Sakko und Jeans. In der Hosentasche hatte ich knapp fünfzig Euro, die ich eine Stunde zuvor vom Second Hand Türken an der Zentralstation für meine Stereoanlage bekommen hatte. Ich klingelte. Keine Reaktion. Ich klingelte ein zweites Mal und noch bevor ich den Finger wieder vom Knopf hatte, öffnete sich die Tür und Tina sprang heraus. Mit voller Wucht klatschte sie mir ihre flache Hand ins Gesicht. “Du Arschloch!” Dann sprang sie mir an den Hals und gab mir einen schnellen, weichen Kuss auf den Mund. Sie drückte ihre Wange an meine und zerquetschte eine Träne dazwischen. [[MORE]]

“Mach das nie wieder, hörst du! Ich hab mir scheiß Sorgen gemacht!”, flüsterte sie mir mit zerstreuter Vehemenz ins Ohr.
“Mir ist doch gar nichts passiert. Ich war nur für eine Weile weg!”, sagte ich.
“Dann sag uns beim nächsten Mal wenigstens, wo du hin bist!”

Sie senkte ihren Körper zurück auf ihre Fersen und ließ von mir ab. Mir fiel auf, dass sie schon vorher geweint haben musste, so sah sie nicht nach einer einzelnen Träne aus. “Decker klebt am Fernseher, Hamburg spielt noch und verliert wieder mal”, sagte sie, während sie vor mir durch den Flur ging. Ich erinnerte mich daran, wie wir uns immer darüber lustig gemacht hatten, dass sie ihn bei seinem Nachnamen nannte, obwohl er das hasste. Sie waren schon seit der Zeit auf der Realschule ein Paar, das mussten jetzt knapp 10 Jahre sein und nie hatte sie ihm einen anderen Spitznamen gegeben außer “Decker”. Sie war noch im Schlafanzug und hatte ihr nasses Haar mit einem Handtuch zusammengebunden. Sie war immernoch gut in Form und ihr kleiner Hintern zeichnete sich durch ihre Shorts ab, als wäre ihr Körper immer 18 geblieben.

Die Wohnung hatte sich nicht verändert. Die Flurwand war komplett vollgeschrieben mit Sprüchen und Unterschriften aller Besucher, die jemals hier waren. Ich versuchte nicht darauf zu achten. Bevor ich Decker sah, hörte ich bereits, wie Tina ihn anpfiff: “Wenn Fußball läuft, hörst du jetzt auch die Klingel nicht mehr oder was?” Decker sprang aus seinem Sessel und lief auf mich zu. Bevor ich etwas sagen konnte, hatte er mich schon fest im Griff und quetschte mich mit seinen behaarten Armen zu einem Paket zusammen, während er immer wieder “Alter” zischte. Im Fernsehen lief Bremen gegen Hamburg. Bremen führte kurz vor Schluss mit 3:2, ein Nagel in Deckers Herz. Setz dich erstmal, sagte Decker und klebte seinen Blick wieder an den Bildschirm, während er zur Küche lief. “Was trinkst du? Rum?” Ich nickte. In der Küche hörte ich ihn mit Tina flüstern. Sie streiteten, ich konnte aber nicht hören, worüber. Als er mit zwei Gläsern zurückkam, heftete sein Blick wieder auf dem Spiel, das gerade abgegpfiffen wurde. “Scheiße! Kack Bremer!”, fluchte er und drückte mir den Drink in die Hand. Dann schaltete er den Fernseher aus und stellte Musik an. Tina stand an die Küchentür gelehnt und trank aus einer großen Wasserflasche. “Wo warst du denn?”, fragte Sie. “Jetzt will ich  aber was hören”, fügte Decker an.

“Können wir darüber nicht ein anderes Mal reden? Irgendwie war ich nirgends. Obwohl ich mehrere Länder besucht habe. Italien, Frankreich, Spanien, Portugal.”
“Scheiße und was hast du da gemacht?”, fragte Decker.
“Ich möchte wirklich nicht darüber reden. Meine Tour war so sinnfrei, dass ich sie mir auch hätte sparen können. Lasst es uns für heute bitte dabei lassen!”

Tina schnaubte unbefriedigt in Richtung Toilette. “Sie hat sich echt Sorgen gemacht, Alter”, kommentierte Decker ihre Flucht. “Du könntest uns wenigstens erzählen, was du gemacht hast! Du hättest dich in den Monaten vor der Abreise sehen sollen, du sahst aus wie ein grauer Lappen, den man zu lange zum trocknen aufgehangen hat! Und plötzlich bist du weg. Keine Nachricht. Kein Brief. Die Jalousien bis zum Boden heruntergelassen, das Auto verkauft. Alter, wir haben uns richtig in die Hose geschissen!”
“Tut mir ja Leid. Ich habe dabei einfach nicht an euch gedacht!”
“Ist ja ok. Nur gut, dass du jetzt wieder da bist. Ich hab hier genug Scheiße am dampfen, das sag ich dir. Da kommt mir eine Sorge weniger genau recht!”
“Wieso was ist los?”
“Der HSV hängt mal wieder den Ansprüchen hinterher, in meiner Firma tanzen sie mir auf dem Kopf herum und hier zieht noch was ganz anderes am Horizont…” Er hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da klingelte es an der Tür. “Mach mal bitte auf”, rief Tina aus dem Bad. Decker ging zur Tür und kam mit Theresa zurück ins Wohnzimmer, die man bereits roch bevor man sie sah. “Ach guck an, der verlorene Sohn”, Decker verdrehte seine Augen hinter ihrem Rücken und ich versuchte nicht voreingenommen zu gucken, als ich ihr die Hand gab. Während sie weiterredete und mich mit ihren Augen fixierte, legte sie ihren Mantel ab und warf ihn Decker in die Arme, der damit Richtung Flur abging. “Kapitän Wichtig ist von seiner Tour zurück! Wusste gar nicht, dass du auch Crocodile Dundee kannst!”, sie setzte sich mir gegenüber auf die Couch und redete weiter.
“Es hat noch keinen Mann gegeben, dem es noch nicht scheißegal war, was die anderen Leute um ihn herum denken könnten. Aber du treibst es auf die Spitze!”
“Jetzt mach mal den Kessel zu”, fuhr Decker ihr ins Wort, “wehe, du gehst uns heute wieder den ganzen Abend auf die Eier!”
“Du musst gerade reden. Du hast doch selber auf ihn geschimpft, als es Tina so schlecht ging vor zwei Wochen!”     “Jetzt halt endlich die Klappe, außerdem weiß er, das wir das nicht toll fanden.”
Die Konversation schien an derselben Stelle weitergeführt zu werden, an der wir beim letzten Mal aufgehört hatten. Ich versuchte ein wenig die Fahrt rauszunehmen: “Vielleicht sollte ich doch lieber gehen, ich hab dir gesagt, dass ich heute keine Stimmungskanone bin!”
“Ja, hau nur ab, wenn es brenzlich wird und kneif wieder die Backen zusammen! Kannst du ja so gut!” Ihre Stimme traf den Ton, der Faustschläge erzeugt.
“Jetzt reicht’s! Hier, damit du nicht mehr reden kannst”, Decker gab ihr einen Drink, “Robert geht nirgends hin. Heute wird gefeiert. Immerhin ist er wieder da. Und das gesund, das ist die Hauptsache!”
“Na zumindest körperlich, so weit man das beurteilen kann”, stahl Resa sich das letzte Wort, “Wo ist überhaupt Tina? Noch nicht fertig, oder was?”
In diesem Augenblick kam Tina aus dem Bad. Ihre Haare hatte sie mittlerweile zu einer langen braunen Welle gefönt, die auf ihren Schultern saß. Von ihren verheulten Augen war nichts mehr zu sehen. Trotzdem sah sie anders aus, als ich sie in Erinnerung hatte, als hätte sie gerade einen Horrorfilm gedreht. “Lass Robert in Ruhe! Ich bin froh, dass er wieder da ist, da brauchst du ihn nicht gleich wieder wegscheuchen!”

“Ist ja gut. Aber vor einem Monat klang das noch anders!” Theresa Heinzmann war seit der Grundschule Tina’s beste Freundin und das Übel, dass man schon damals in Kauf nehmen musste, wenn man an Tina ranwollte. Decker hatte sich irgendwann mit ihr arrangiert und einen Modus aus Ignoranz und Weghören gefunden, wenn sie dabei war. Das wirkte aber nur so lange, bis ich mit an Bord kam. Ich habe schon direkt als wir sie kennenlernten mit offenen Karten gespielt und Tina gesagt, dass ihre Freundin ein zickiges Biest ist, mit dem ich nichts zu tun haben will. Decker hat damals noch versucht zu vermitteln und uns beiden vorgelogen, dass der andere gut über einen gesprochen habe. Es war offensichtlich, dass er sich das ausdachte. Manchmal war er aber dermaßen kreativ, dass ich mitspielte und er für ein paar Tage seinen Seelenfrieden hatte.

Theresa und Tina gingen in die Küche und redeten dort weiter. Ich sprach mit Decker über die Monate, in denen ich weg war. Ich wollte wissen, wie sich Deutschland bei der Weltmeisterschaft geschlagen hatte, so konnte ich ihn für einige Zeit reden lassen. Mir fiel auf, dass er immer wieder Blickkontakt zu Tina in der Küche suchte. Auch sie blickte immer wieder zu ihm rüber. In ihren Augen lag etwas Verängstigtes. Decker war ganz blass im Gegensatz zu sonst und berichtete von der überirdischen Leistung des Nationalteams wie von einer Nebensächlichkeit, die ihn gar nichts anging. Das war nicht der Decker, den ich zurückgelassen hatte. Das konnte nicht nur an mir liegen. Tina trank unentwegt aus ihrer Wasserflasche und verschwand allenthalben auf der Toilette. Decker und ich leerten eine Flasche Rum und kippten aus Mangel an Nachschub noch ein paar Bier hinterher, bevor wir uns auf den Weg machten. Das war nie eine gute Entscheidung gewesen, aber das würde sich erst am nächsten morgen zeigen. Decker war gut gelaunt. Er hatte sich Theresa aus dem direkten Bewusstsein gesoffen und beim Gehen fasst in der Wohnung eingesperrt, als sie noch auf der Toilette an sich rumpinselte. Mich hatte der Alkohol still gemacht. Im Gegensatz zur weitläufigen Meinung lassen sich bei mir Probleme und dunkle Gedanken nicht einfach ertränken, sondern fühlen sich eher noch angeregt und aufgefordert von diesem Verlust der Kontrolle. Die Scherben, die ich säuberlich in den hinteren Ecken meines Gewissens zusammengekehrt hatte, begannen unter Alkoholeinfluss in meinem Bewusstsein zu knirschen.

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