Got Milk?

Bei mir ist jedes Bild eine Mischung aus Planung und Zufall. Geplanter Zufall will ich es mal nennen. Ich überlege im Vorfeld mit dem Model viel zum Thema Location, Style, Make-Up, Bildlook, aber wenn es dann zum Shoot kommt, mag ich es am liebsten, möglichst anarchisch vorzugehen.

Vielleicht liegt mir Studiofotografie deswegen auch nicht so, da ich dort nicht genug Können/Wissen habe, um kontrolliert zu eskalieren. Bei folgendem Bild sind es allerdings gleich mehrere Zufälle, die zur Entstehung meiner bisher erfolgreichsten Aufnahme führten.

Vor einigen Wochen war ich mal wieder in Berlin und hatte mir dieses Mal über Airbnb eine ziemlich geniale Altbauwohnung besorgt. Mit der Vermieterin habe ich vorher besprochen, dass ich die Wohnung auch für Shootings nutzen darf. Das hat sich ziemlich gelohnt, allein 3 Shootings haben dort stattgefunden und alle 3 sind komplett unterschiedlich geworden. Am ersten Tag in der Wohnung bin ich ein bisschen einkaufen gegangen. Eigentlich habe ich mir nur Wasser und ein Six-Pack gekauft. Einen Karton Milch habe ich dann auch noch eingepackt, für meinen Kaffee morgens. (Ich kann neuerdings auch mit einem Gasherd umgehen)

Nach zwei krankheitsbedingten Absagen von Berliner Models hatte ich noch Termine offen und habe im Netz spontane Shootings in Berlin ausgeschrieben. Durch Zufall ist das schweizer Model Nathalie Crivelli (Lucky) auf die Anzeige gestoßen und hat mich spontan angeschrieben. Bei einem lockeren Shooting von 2 Stunden sind einige tolle Bilder entstanden, aber dann kam Nathalie darauf, dass es in der Küche auch cool wäre, was mit Milch zu machen. Da ich neben Bier auch einen Karton Milch eingekauft hatte, fehlte nur noch eine passende Flasche und die stand dann auch in einem der Küchenregale. Nathalie setzte sich auf den Thresen der Küche, begann aus der Flasche zu trinken, ich drückte ab und fertig war das Foto. Und mit fertig mein ich: kein Photoshop, nur ein paar Anpassungen in Lightroom.

Auch wenn ich das Bild toll fand, war ich nicht darauf gefasst, wie gut es im Netz ankommt. Nach einem Tag war es Editor’s Pick bei 500px, gefeatured bei Looks like Film, abgefeiert in verschiedenen Facebook Gruppen und so mein iPhone Killer. Die Rückmeldung war überwältigend und dauert immer noch an. Manchmal muss man einfach Glück haben.

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