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Ob in guten oder in schlechten Phasen, es beruhigt, zu wissen, dass ich immer wieder zu meinen Büchern zurückkehren kann. Mit Hilfe der Literatur habe ich mir eine Insel erschaffen, zu der ich wieder und wieder segeln kann, um mich von der Außenwelt abzuschotten.

Das hat mir in meinen späten Zwanzigern den Arsch gerettet. Die negative Bedeutung, die bei dem Wort „Träumer“ mitschwingt, hat sich mir nie erschlossen. Als Träumer sehe ich nicht nur die unbelehrbaren Optimisten. Für mich als Träumer, genügt es, mir eine zweite Realität zu schaffen, in der ich mich nicht rechtfertigen muss. Das war schon so, Jahre bevor ich den Namen Bob Sala bei Hunter S. Thompson gelesen hatte. Kafkas Prag war genauso meine Heimat wie Hemingways Paris oder Bolaños Santa Teresa.

„Wenn du nur in deinen Träumen lebst, verzweifelst du zwangsläufig an deiner Realität“. Ist das so? Ich weigere mich, meine Realität auf die Dinge zu beschränken, die meinen Alltag ausmachen. Alles Reale ist auch nur eine Interpretation unseres Gehirns. Chemische Prozesse bestimmen, ob wir die Tasse rot oder grün sehen oder ob der Sonnenuntergang uns erfreut oder in eine Depression stürzt. Meine Großmutter litt in ihren letzten Jahren an fortgeschrittener Demenz. Und irgendwann begann sie von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Da ging es um den Freund, den sie vor meinem Opa hatte, der im Krieg gestorben war. Als es noch schlimmer wurde, wiesen ihre Geschichten immer phantastischere Züge auf. Wir realisierten irgendwann, dass sie uns Episoden aus „Traumschiff“ oder „Ein Schloss am Wörthersee“ nacherzählte. Für sie war es in den letzten Monaten die Idylle aus ihren Lieblingsserien, die sie für ihre eigene Vergangenheit genommen hatte. Macht es das weniger real für sie? Wenn sie nun mit der festen Überzeugung gestorben ist, sie habe ihr Leben an der Seite von Roy Black verbracht. Was solls.

In den letzten Monaten gleicht mein Leben nun immer mehr der Traumwelt, die ich mir früher schuf. Das ist in gewisser Weise weniger real für mich als meine Phantasie. Ich schreibe diese Sätze in zehn Tausend Metern Höhe auf dem Flug von den vereinigten arabischen Emiraten nach Colombo, Sri Lanka. Die Sonne strahlt grell durch die Fensterscheiben und ich kann kaum lesen, was ich in mein Notizbuch schreibe. Ich habe vor kurzem Patti Smiths „M Train“ gelesen. Darin gibt es ein Kapitel mit dem Titel „Uhr ohne Zeiger“. Es geht darin um die Wahrnehmung und das Erleben von Zeit. Und wie sie mit ihrem Mann die Zeit ganz eigentümlich auslegt. Gespräche bis in die Morgenstunden, dann den Tag verschlafen und abends nach einem noch offenen Diner suchen, wo sie schwarzen Kaffee trinkt und er Bier. Sie schreibt davon wie sie Pläne schmieden. Eine Fernsehsendung mit dem Titel „Betrunken am Nachmittag“. Ihr Mann würde Interviews führen und die Leute betrunken machen und zwischendurch gäbe es eine „Kaffeepause“, in der Patti unterstützt von Nescafé über Gefängnisliteratur sprechen würde. „Nicht alle Träume müssen verwirklicht werden“, beendet sie diese kleine Spinnerei.

Mein Leben besteht zur Zeit aus dem Erfinden, Ausarbeiten und Verwerfen oder Realisieren von neuen Ideen und Projekten. Australien, Sri Lanka, LA, Magazine, Led Zeppelin, Bücher, Modefotos, Schreiben, Stories, Hawaii-Hemden, Rum, Sonne, Bücher, Lesen, Arbeit in der Verlagswelt, mehr Reisen, mehr Schreiben, mehr Lesen, die Musik, Vinyl, Musikmagazine, Bands, Musiker, Filmer, Nerds, Interviews. Mein Leben platzt vor Dingen, die ich mir immer vorgestellt habe. Und gleichzeitig fallen rechts und links die Projekte ins Wasser, Ideen werden verworfen, erneuert, neu belebt. Für jeden Erfolg gibt es eine Niederlage, von der niemand mitbekommt, eine Enttäuschung wird vergessen gemacht durch eine Email, die mich lachend durch die Innenstadt tanzen lässt.

Es wäre längst an der Zeit, mich zu bedanken. Bei den Mächten, die in den vergangenen Monaten und Jahren das Steuer übernommen haben. Bei den Menschen, die sich die Zeit nehmen und mir Tausend Wörter in eine Email schreiben. Doch ich bin abergläubisch. Wenn ich wirklich realisieren würde, was da gerade alles passiert, würde es mir vielleicht in den Händen zerrinnen. Ich reite lieber weiter auf diesen Wellen und erwarte, irgendwann im großen Stil zu scheitern. Allen, die trotzdem in dieser Zeit ihr Vertrauen in mich setzen: MAHALO. Lasst uns weiter Realität und Traum verschwimmen lassen.

Rolling Stone Schreiber Thomas Hummitzsch hat mich ein bisschen zu den Briefen von Hunter S. Thompson befragt, die jetzt auch auf Deutsch vorliegen in der Edition tiamat und als Taschenbuch bei Heyne Hardcore & Heyne Encore. Herausgekommen ist ein längeres Interview zu Hunter, den Briefen, New Journalism, den Einfluss Hunters auf meine Fotografie und ein paar anderen Geschichten.

Lesen kann man das Ganze hier.

Mahalo, Bob

In Australien hatte ich die neue Fuji X100F im Gepäck und durfte sie ein bisschen testen. Fujifilm hat heute ein kleines Behind the Scenes Video davon veröffentlicht.

Die X100 war die Kamera, die mich vor einigen Jahren wieder auf die Straße geholt hat zum Fotografieren. Danach kamen die X-E1, X-E2 und dann die X-T1, die sowas wie meine „Mahalo-Machine“ wurde. Neunzig Prozent aller Bob Sala Fotos sind damit entstanden. Vor zwei Jahren kam dann noch die X100T dazu, die ich mir statt eines 23mm (35mm equiv.) Objektivs für die X-T1 gekauft hatte. Die T1 mit dem 35mm1.4 und die X100T waren über 2 Jahre mein komplettes Setup. Damit konnte ich alles fotografieren, was mir wichtig war und das tat ich dann auch… Nächste Woche schicke ich meine X-T1 mal bei Fuji ein und lasse die Auslösungen zählen. Sie sieht mittlerweile aus wie eine durchgetragene alte Ledertasche aus den 60ern.

Im letzten Jahr fing es dann bei mir an, dass ich öfter für Kunden gearbeitet habe. Vorwiegend Modelabels. Bei meinem Stil hat das mit den Fujis auch super funktioniert. Aber manchen Kunden waren die 16 Megapixel der Fujis doch ein bisschen zu wenig. Mit der neuen Sensorgeneration bei der X-Pro2 und X-T2 kamen dann noch 8 dazu und mit den 24 lässt es sich wunderbar arbeiten. Mir reichte es zwar vorher schon, aber einigen Kunden ist das sehr wichtig. Lightroom hat mittlerweile auch stark nachgezogen was das Bearbeiten und die Schärfe der Fuji Raw Files angeht. Ich benutze weiterhin nur meine Fujis für die Jobs.

Die neue X100F ist nun auch mit der neuen Sensorgeneration ausgestattet worden und wird wie ihr Vorgänger in meinen Workflow eingebunden. Die Frage, die sich die meisten stellen: „Lohnt sich das Upgrade von X100T auf X100F?“ Die Antwort ist dieselbe, die ich auf die Frage „Soll ich zu Fuji wechseln?“ immer gebe: Nehmt sie in die Hand, geht zum Händler. Der Autofokus, die Dateigrößen. Der Unterschied ist schon stark spürbar. Allerdings war die X100T auch schon ein wunderbares Maschinchen, das mir treue Dienste geleistet hat. Die Fujis sind für mich Kameras, die vom Feeling leben. Man mag das oder nicht. Aber man sollte mal eine in der Hand gehabt haben.

So, genug Technik. Wer mich kennt, weiß, dass mir das alles gar nicht so wichtig ist. Trotzdem bekomme ich jeden Tag Fragen zu meinen Fujis. Und jetzt habe ich hiermit einen Beitrag, auf den ich dann verweisen kann. Zur Info: Ich bin seit letztem Jahr einer der offiziellen Fujifilm X-Fotografen. Ich bin nicht bei denen auf der Payroll. Allerdings habe ich schon hier und da für Dienstleistungen, die ich für Fuji erbracht habe, Geld bekommen. Für diesen Beitrag bekomme ich keins. Hier ein paar Fotos von der lieben Marie, die am letzten Tag des Racquet Road Trips in Australien entstanden sind. Vielen Dank auch an die die beteiligten Labels Sunflowerseed Vintage, Dazed and Reused und Sunday Somewhere.

Back then,
I’d reached the age of 20
and I was crazy.
I’d lost a country
but won a dream.
As long as I had that dream
nothing else mattered.
Not working, not praying,
not studying in morning light
alongside the romantic dogs.
And the dream lived in the void of my spirit.
A wooden bedroom,
cloaked in half-light,
deep in the lungs of the tropics.
And sometimes I’d retreat inside myself
and visit the dream: a statue eternalized
in liquid thoughts,
a white worm writhing
in love.
A runaway love.
A dream within another dream.
And the nightmare telling me: you will grow up.
You’ll leave behind the images of pain and of the labyrinth
and you’ll forget.
But back then, growing up would have been a crime.
I’m here, I said, with the romantic dogs
and here I’m going to stay.

Feel the nights are starting earlier and end later? Tired of sitting in the dark and moving towards you winter depression? People say you look bleak and your conversations seem to be the same repetitive bullshit time and time again? Maybe it’s because your soul lacks the right amount of proper feeding!

Get through the dark days of the year by giving your brain the proper care! How? Don’t worry, Bob’s got you covered. Here’s a list of things to absorb in four of the relevant fields. No excuses anymore! These lists will make you a better person. Or an alcoholic. But hey.

These lists are random, the order isn’t relevant. Some of my favs on there, but certainly not all. We need some stuff for the summer, too.

Novels/Poems:

  • Hunter S. Thompson – The Rum Diary
  • Thomas Pynchon – Inherent Vice
  • Charles Bukowski – Factotum
  • Roberto Bolaño – The Romantic Dogs
  • Reinaldo Arenas – Before Night Falls
  • Paul Auster – Moon Palace
  • Haruki Murakami – A Wild Sheep Chase
  • Martin Amis – Money
  • Patti Smith – Just Kids
  • Bob Dylan – Chronicles

Movies:

  • Before Night Falls (read book first)
  • The Motorcycle Diaries
  • Almost Famous
  • Fear and Loathing in Las Vegas
  • Factotum (read book first)
  • Inherent Vice (read book first)
  • Beginners
  • Barney’s Version
  • Fight Club
  • The Rum Diary

Albums:

  • Sam Cooke – Live at the Harlem Square Club 1963
  • Bob Dylan – Blonde on Blonde
  • Rolling Stones – Beggars Banquet
  • Led Zeppelin II
  • Country Joe and the Fish – Electric Music for the Mind and Body
  • Jimi Hendrix – Electric Ladyland
  • Creedence Clearwater Revival – Cosmo’s Factory
  • Big Star – #1 Record
  • Father John Misty – Fear Fun
  • Rodríguez – Cold Fact

Photos:

  • Alberto Garcia Alix – Self-Portraits
  • Anders Petersen – Café Lehmitz
  • Saul Leiter – Early Color
  • Ryan McGinley – You and I
  • Peter Beard
  • Saul Leiter – Early Black & White
  • Ben Bernschneider – Tales of an American Summer
  • Purienne.
  • JH Engström – Tout Va Bien
  • Neal Preston – Led Zeppelin

This is how it will affect you:

Get through 1 of each list:

You’re the Dude, I get it. There’s so much to take care of. And listening to old bowling matches on your walkman seems to feed your soul just as much as you need. But you tried.

Drink: Mix yourself a Russian on that.

Absorb 5 of each list:

Buddha, Baby. Your mind has just been transferred to a whole nother universe. Do you feel it in your veins? Enjoy the beginning thrill. See things from the other side? They are good for you, invite them into your life!

Drink: Brugal Añejo, no rocks.

Live in 10 of each list:

This includes some risk. Patti Smith might start appearing in your dreams, questioning your real heart for the arts. When you wake up, there’s Hunter waiting for you with a sliced grapefruit and a Bloody Mary, cause you will need all the Vitamin C you can get. At noon you will already sit by the typewriter, or take your camera, or setup a canvas or whatever it is your beautiful mind now wants to do! Let it out. You are on the other side now! You bought the ticket, now take the ride!

Drink: The Bukowski (six-pack of beer plus whiskey until you dropout)

I have need of angels. Enough hell has swallowed me for too many years. But finally understand this–I have burned up one hundred thousand human lives already, from the strength of my pain. Antonin Artaud

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Just checked into the most crazy location I have ever been in, waiting for @modelsanctum

Ein von Bob Sala (@bob_sala) gepostetes Foto am

 

With beautiful Sanctum in Leipzig. First published in Hedonist Post #5 Get your print copy here.

#millaundbob for @topknotgoods & @forgotaboutthename

“. . . yet there is no avoiding time, the sea of time, the sea of memory and forgetfulness, the years of promise, gone and unrecoverable, of the land almost allowed to claim its better destiny, only to the claim jumped by evildoers known all too well, and taken instead and held hostage to the future we must live in now forever.”Thomas Pynchon, Inherent Vice

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It was the first thing I heard about Marie when she arrived with Dave and Ivana at my home for a weekend of photos and minor escalation. It was the first thing they told me about her that immediately connected us and set the mood for the next days: in the car, on the way from the South, she had read to the other two from her old copy of Ham on Rye.

Reading people Bukowski in preparation of meeting me is just the right amount of nerdy craziness that had me hooked in an instant. Marie became one of my favorite persons on this planet within a few conversations and encounters. Our photos mean a lot to me. One of them even spurred a big discussion on the web by people who mistook the quote we gave it with the content of the image. And since we were both trading BUK quotes back and forth while posting some of the images, this post could never go without one:

isolation is the gift,
all the others are a test of your
endurance, of
how much you really want to
do it.
and you’ll do it
despite rejection and the worst odds
and it will be better than
anything else
you can imagine.

if you’re going to try,
go all the way.
there is no other feeling like
that.
you will be alone with the gods
and the nights will flame with
fire. – Charles Bukowski

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