Think of the great DiMaggio

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Wenn man es genauer betrachtet, braucht man eigentlich nicht viel. Im Zuge der Vorbereitungen auf meinen Road Trip nach Frankreich im Herbst habe ich mich in letzter Zeit nach und nach mit nötigem Equipment ausgestattet und musste heute feststellen, dass sich ein komplettes Schlafzimmer in einem Jutebeutel verstauen lässt. Zelt, Schlafsack, Isomatte. Eigentlich brauche ich die Sachen schon an diesem Wochenende zum ersten Mal, ein erster Testlauf im Hinblick auf die große Tour im September. Ich will noch gar nicht erzählen, wo es am Wochenende hingeht. Ich freue mich viel zu sehr darauf, im Anschluss an die kleine Reise darüber zu schreiben. Nur so viel: es geht um Fotografien, alte Fabriken, Hausfriedensbruch, einen besonderen Bund, ein völlig anderes Bundesland und die totale Ungewissheit, worauf ich mich da wirklich einlasse. Zwei Tage auf einem Feld, mit Zelt und Kamera, der erste Härtetest für den Ausbruch. Nur so viel steht fest: ich werde viele Menschen kennenlernen und dabei alles austauschbare Material an die Grenzen bringen.

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In den letzten Tagen habe ich auch wieder angefangen, Texte von Patti Smith zu lesen und ihre ersten beiden Alben zu hören. Ständig schreibt sie, wie sie in einem Café mit Olivenbrot, schwarzem Kaffee und Murakamis „Wilde Schafsjagd“ versackt, den ganzen Tag vertrödelt, schöne Sätze anstreicht und Unmengen Kaffee trinkt. Das Lesen kommt auch bei mir nie zu kurz, auch wenn sich meine Gewohnheiten in dieser Hinsicht ein wenig geändert haben. Eigentlich lese ich kaum noch Neuerscheinungen. Es sind die bewährten Bücher aus der Vergangenheit, zu denen ich immer wieder greife. Vor allem Hunter Thompson’s „The Proud Highway“, seine gesammelten Briefe, lese ich fast täglich. Als er so alt war wie ich, ging es nach seinem Hell’s Angels Buch langsam in die Richtung, die ihn dann so bekannt gemacht hat. Aber auch wenn sein Stil sich in dieser Zeit weiter verdichtet und verändert, seine Briefe bleiben diese herzlichen, detailversessenen Berichte und angeberischen Aufzählungen seiner unermüdlichen Schreibversuche und seines vagabundierenden Lebensstils. Zu dieser Zeit hatte er bereits eine seiner großen, frühen Niederlagen hinter sich. Das Manuskript von „The Rum Diary“ mit den unzähligen Absageschreiben, die er dafür erhalten hat, landete in einer Box und verschwand für 25 Jahre in seinem Keller, bis es Johnny Depp in einer Whiskeylaune wiederfand und Thompson zur Veröffentlichung drängte. Eigentlich zu viele Zufälle, die mit mir eigentlich nichts zu tun haben, die jedoch einen großen Einfluss auf meine späten Zwanziger haben sollten. Meine fotografischen Ambitionen nach „Bob Sala“ zu benennen, einer Figur aus dem Roman, stieß bei nicht wenigen auf Unverständnis. Trotzdem bleibt es meine kleine Homage an Hunter, diesen Roman, den ich immer wieder lesen muss, und alles wofür er stand. Und mittlerweile, oh Wunder, werde ich manchmal darauf angesprochen, wie cool die Idee sei, meine Seite Bob Sala Fotografie zu nennen. Obwohl es immer noch komisch ist, wenn Kunden und Models mich als „Bob“ ansprechen, aber so ist das halt. Gibt es einen sympathischeren Namen als Bob?

dasmeer

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Gerade habe ich „Redondo Beach“ von Patti auf dem Kopfhörer und mit dem dritten Kaffee in den Venen fühle ich mich plötzlich sogar selten euphorisch, wenn ich die nächsten Wochen vor Augen habe. Kleine Abenteuer, Urlaub am Strand mit Pfannkuchen und Milchkaffee, die nächtlichen Spazierwege von Franz Kafka in Prag nachgehen, mit Auto und Kamera an die französische Küste, viele Hochzeiten toller Menschen, vielleicht ein verschwörerischer Trip in den Norden zu einem Fotografenfreund, Wein, Rum, Sonne, Kameras, Bilder und Polaroids. Roberto Bolaño’s Titel auf seiner Visitenkarte lautete „Poet und Vagabund“, manchmal kann ich das fühlen, auch wenn ich nur so tue. Dann bin ich Manolin an der Seite von Santiago in „Der alte Mann und das Meer“, bevor sie 84 Tage nichts gefangen haben und ihr Segel im Wind hängt wie die Fahne der endgültigen Niederlage. Wie gut, dass man in Büchern wohnen kann.

Kommentare 3

  1. Joy Fielding 26. Juni 2014

    Wunderschöne Fotos. Die würden sich gut auf Leinwand in meiner Wohnung machen… .
    Freue mich schon auf deinen Text zur kurzen Reise am Wochenende…
    Klingt spannend.
    Ach ja…
    nein, es gibt tatsächlich keinen sympathischeren Namen als Bob 🙂

  2. LX 17. Juli 2014

    ab und zu besuche ich diese seite – schöne photos.
    ‚tom‘ ist etwas behaftet, im grunde aber auch sehr sympathisch, ‚joe‘ in meinen augen aber vielleicht noch mehr als bob – oder auf gleicher augenhöhe. aber darum gehts letztendlich nicht.
    vergiss nicht ordentlich heu/stroh unter die isolationsschicht zu packen. „draußen“ zu schlafen… ist nicht jedermanns sache.

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