Kategorie: Rum Diary

The Proud Highway (Interview)

Rolling Stone Schreiber Thomas Hummitzsch hat mich ein bisschen zu den Briefen von Hunter S. Thompson befragt, die jetzt auch auf Deutsch vorliegen in der Edition tiamat und als Taschenbuch bei Heyne Hardcore & Heyne Encore. Herausgekommen ist ein längeres Interview zu Hunter, den Briefen, New Journalism, den Einfluss Hunters auf meine Fotografie und ein paar anderen Geschichten.

Lesen kann man das Ganze hier.

Mahalo, Bob

Bob Sala & Fujifilm X100F

In Australien hatte ich die neue Fuji X100F im Gepäck und durfte sie ein bisschen testen. Fujifilm hat heute ein kleines Behind the Scenes Video davon veröffentlicht.

Die X100 war die Kamera, die mich vor einigen Jahren wieder auf die Straße geholt hat zum Fotografieren. Danach kamen die X-E1, X-E2 und dann die X-T1, die sowas wie meine „Mahalo-Machine“ wurde. Neunzig Prozent aller Bob Sala Fotos sind damit entstanden. Vor zwei Jahren kam dann noch die X100T dazu, die ich mir statt eines 23mm (35mm equiv.) Objektivs für die X-T1 gekauft hatte. Die T1 mit dem 35mm1.4 und die X100T waren über 2 Jahre mein komplettes Setup. Damit konnte ich alles fotografieren, was mir wichtig war und das tat ich dann auch… Nächste Woche schicke ich meine X-T1 mal bei Fuji ein und lasse die Auslösungen zählen. Sie sieht mittlerweile aus wie eine durchgetragene alte Ledertasche aus den 60ern.

Im letzten Jahr fing es dann bei mir an, dass ich öfter für Kunden gearbeitet habe. Vorwiegend Modelabels. Bei meinem Stil hat das mit den Fujis auch super funktioniert. Aber manchen Kunden waren die 16 Megapixel der Fujis doch ein bisschen zu wenig. Mit der neuen Sensorgeneration bei der X-Pro2 und X-T2 kamen dann noch 8 dazu und mit den 24 lässt es sich wunderbar arbeiten. Mir reichte es zwar vorher schon, aber einigen Kunden ist das sehr wichtig. Lightroom hat mittlerweile auch stark nachgezogen was das Bearbeiten und die Schärfe der Fuji Raw Files angeht. Ich benutze weiterhin nur meine Fujis für die Jobs.

Die neue X100F ist nun auch mit der neuen Sensorgeneration ausgestattet worden und wird wie ihr Vorgänger in meinen Workflow eingebunden. Die Frage, die sich die meisten stellen: „Lohnt sich das Upgrade von X100T auf X100F?“ Die Antwort ist dieselbe, die ich auf die Frage „Soll ich zu Fuji wechseln?“ immer gebe: Nehmt sie in die Hand, geht zum Händler. Der Autofokus, die Dateigrößen. Der Unterschied ist schon stark spürbar. Allerdings war die X100T auch schon ein wunderbares Maschinchen, das mir treue Dienste geleistet hat. Die Fujis sind für mich Kameras, die vom Feeling leben. Man mag das oder nicht. Aber man sollte mal eine in der Hand gehabt haben.

So, genug Technik. Wer mich kennt, weiß, dass mir das alles gar nicht so wichtig ist. Trotzdem bekomme ich jeden Tag Fragen zu meinen Fujis. Und jetzt habe ich hiermit einen Beitrag, auf den ich dann verweisen kann. Zur Info: Ich bin seit letztem Jahr einer der offiziellen Fujifilm X-Fotografen. Ich bin nicht bei denen auf der Payroll. Allerdings habe ich schon hier und da für Dienstleistungen, die ich für Fuji erbracht habe, Geld bekommen. Für diesen Beitrag bekomme ich keins. Hier ein paar Fotos von der lieben Marie, die am letzten Tag des Racquet Road Trips in Australien entstanden sind. Vielen Dank auch an die die beteiligten Labels Sunflowerseed Vintage, Dazed and Reused und Sunday Somewhere.

Moon Swoon

#millaundbob for @topknotgoods & @forgotaboutthename

“. . . yet there is no avoiding time, the sea of time, the sea of memory and forgetfulness, the years of promise, gone and unrecoverable, of the land almost allowed to claim its better destiny, only to the claim jumped by evildoers known all too well, and taken instead and held hostage to the future we must live in now forever.”Thomas Pynchon, Inherent Vice

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Nights will flame with Fire

It was the first thing I heard about Marie when she arrived with Dave and Ivana at my home for a weekend of photos and minor escalation. It was the first thing they told me about her that immediately connected us and set the mood for the next days: in the car, on the way from the South, she had read to the other two from her old copy of Ham on Rye.

Reading people Bukowski in preparation of meeting me is just the right amount of nerdy craziness that had me hooked in an instant. Marie became one of my favorite persons on this planet within a few conversations and encounters. Our photos mean a lot to me. One of them even spurred a big discussion on the web by people who mistook the quote we gave it with the content of the image. And since we were both trading BUK quotes back and forth while posting some of the images, this post could never go without one:

isolation is the gift,
all the others are a test of your
endurance, of
how much you really want to
do it.
and you’ll do it
despite rejection and the worst odds
and it will be better than
anything else
you can imagine.

if you’re going to try,
go all the way.
there is no other feeling like
that.
you will be alone with the gods
and the nights will flame with
fire. – Charles Bukowski

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Erfolg ist kein Kriterium

Als ich noch aktiv meinen Blog “Wilde-Leser.de” betrieben habe, hat der in Hiroshima lebende Schriftsteller Leopold Federmair über einen kurzen Zeitraum eine kleine Kolumne für mich geschrieben.

Eigentlich war es ein größerer Text, den wir dann in Einzelteilen veröffentlicht haben. Auf Wilde-Leser.de hatten wir uns als “Aficionados” der Literatur des chilenischen Autors Roberto Bolaño zusammengeschlossen und waren kurz davor eine deutsche Bolaño-Gesellschaft zu gründen, bevor es die Gruppe aus Zeitmangel auseinanderschlug. Unter uns waren Schriftsteller, Lektoren, Übersetzer, Bibliothekare, Lehrer, Studenten und Bücher-Nerds.

In seiner Kolumne beschrieb Federmair ein Treffen mit Bolaño 2001, das in vielerlei Hinsicht interessant war. Die für mich wertvollste Stelle war aber  folgende: “Über die drei Tage Anfang April 2001, an denen ich viel mit Roberto zusammen war, habe ich in einem Artikel für die Literaturzeitung Volltext berichtet. Roberto hat mich vom ersten Augenblick an als Kollegen, als „jungen“ Schriftsteller behandelt, er interessierte sich nicht im geringsten für die Frage, ob ich auch bekannt oder gar berühmt sei – tatsächlich existierte und existiere ich nur am Rand dieses Betriebs. Als Roberto den Wunsch äußerte, Bücher von mir zu sehen, wollte er keinen Beweis, sondern einfach nur das, meine Bücher sehen (lesen konnte er sie nicht). Ich führte ihn in die Zentralbuchhandlung beim Stephansdom, weil ich sicher sein konnte, daß dort wenigstens eins oder zwei meiner Bücher in einem Regal standen. Robertos Verhältnis zu Autoren (besonders zu Dichtern) ist so wie das der Dichter in Die wilden Detektive untereinander. Erfolg ist kein Kriterium, die dichterische Lebensform genauso wichtig wie die Veröffentlichungen, das Schreiben (um jeden Preis) mindestens so wichtig wie das Ergebnis.”

Bolaños Einstellung ist sehr nahe an meiner Auffassung von Kulturbetrieb und kulturförderndem Diskurs in der Öffentlichkeit. Dass ich mittlerweile Fotos mache hat nichts an meiner Einstellung zu künstlerischer Arbeit geändert. Für mich eint die gemeinsame Arbeit an einer Kunstform den engagierten Amateur mit dem erfolgreichen Fotografen, den Fotografen, die man in den Galerien findet. Bolaño war ein Schriftsteller, der erst nach seinem Tod eine große Leserschaft gewonnen hat. Mit seinem nachgelassenen Roman 2666 sorgte er nachträglich für den Unterhalt seiner Frau und seiner Kinder, die ich vor zwei Jahren in Barcelona treffen durfte. Trotzdem war Bolaño nie ein Publikumsautor und wird von vielen gern als “Writer’s Writer” bezeichnet. Also einer der Schriftsteller, von denen dein Lieblingsschriftsteller vielleicht begeistert ist, der aber im Mainstream nicht wirklich ankommt. In seinen Büchern spielen häufig Schriftsteller und Verleger oder Übersetzer eine gewichtige Rolle. Es geht um das Schreiben, es geht um den Lebensstil als Schriftsteller. Bolaño gründete schon früh mit seinen Freunden eine eigene literarische Gruppe und war zeitlebens mit Schriftstellern auf der ganzen Welt in Kontakt. Er beantwortete Emails von unbekannten jungen Schriftstellern, während er in seinen letzten Jahren, mit der Gewissheit des nahenden Todes, verbissen an seinem Werk arbeitete.

Es ist also kein Wunder, dass sich nach seinem Tod auf der ganzen Welt die “Aficionados”, die Liebhaber seines Werkes zusammengefunden haben. Aficionados sind das, was eine Kunstform erst möglich macht. Bolaño hatte das verstanden. Und das ist gilt nicht nur für die Kunst. Jede Gruppe von Menschen, die sich leidenschaftlich mit einem Thema beschäftigt, ist innerhalb der Gruppe von einander abhängig, sei es durch Verwandtschaft oder im negativen Fall durch Abgrenzung. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand ein Fotobuch kauft, der nicht an Fotografie interessiert ist, ist geringer als umgekehrt. Natürlich kaufen die Menschen James Dean Bildbände oder Fotosammlungen von der Fußball-Weltmeisterschaft meist nicht wegen den Fotografen, aber man kann sicher sein, dass die Fotos, die man dort in der Hand hält von einem “Aficionado” geschossen wurden.

Irgendjemandem, der mit 15 Jahren die alte Kamera vom Vater geerbt und auf der Stelle geliebt hat oder dem heutzutage mit 12 die Foto-App auf seinem Handy ein bisschen mehr gibt als seinen Mitschülern. Und schon treten diese Mädchen und Jungs in einen Diskurs ein. Kunstgeschichte wird viel zu elitär wahrgenommen. Die Fotografie hat erst richtig Fahrt aufgenommen als Kunstform, nachdem die kleineren Apparate für die einfachen Leute zugänglich gemacht worden waren. Und das ein Mädchen in der 6. Klasse mit seiner Handy-Kamera ein von der Resonanz her aber auch künstlerisch besseres Bild machen kann, als jemand mit einer dreijährigen Ausbildung und 10jähriger Erfahrung geht natürlich vielen gegen den Strich. Fotografie wird zum Alltag, das einzelne Bild zum Dokument. Die Arrivierten schreien auf. Gut so.

Denn eigentlich kann man daran nichts Negatives finden. Vom ersten Bild mit dem Handy bis zum eigenen Stil durchlaufen diejenigen, die wirklich am Ball bleiben, ganz ähnliche Phasen. Bei manchen sind diese Phasen kürzer als bei anderen, manche bleiben auch in einer der Phasen stecken und geben es aus Mangel an Interesse und Durchhaltevermögen erstmal auf. Die Entwicklung ist was uns eint. Und innerhalb dieser Entwicklung ist uns so viel Unterschiedliches aber auch so unfassbar viel Ähnliches passiert, dass man als Fotograf mitunter ständig Menschen trifft, die deine Erfahrungen und deinen Blickwinkel vollkommen nachvollziehen können. Egal ob seit einem Jahr dabei oder seit fünf. Ben Bernschneider hat das letztens in einem Interview bei Ben Hammer ganz treffend zusammengefasst. Bei ihm ging es um die negativen Aspekte der Fotografen-Community und die teilweise vorherrschende Missgunst:

“Du suchst dein ganzes Leben lang nach Menschen, mit denen du dich unterhalten kannst, mit denen du irgendwas teilen kannst. Und ein Garant dafür, für Fotografen, für Leute, die gerne Bilder machen […] oder Leute, die einfach ne Latte kriegen, wenn sie ihre Bilder sehen, einfach da ihre Lust und alles herschöpfen. Wie kann man diese Leute denn gerade doof finden und wegschubsen? […] Der Konsens, dass man das Gleiche macht, find ich ganz wunderbar.”  

Mein Blick geht mittlerweile in zwei Richtungen. Ich habe meine geliebten Fotografinnen und Fotografen unter den Klassikern und in meiner Generation gefunden und finde jede Woche neue,  bin aber gleichzeitig fasziniert, was Leute mit ihren Instagram Accounts anstellen oder plötzlich auch wieder mit den kleinen Lomodingern und Film. Die Kultur ist so zugänglich wie nie, die Stilrichtungen so verschieden wie es für Fotografen in den 60ern wahrscheinlich nicht mal annähernd denkbar war. Je mehr ich von diesen Leuten kennenlerne zur Zeit, desto elektrischer wird das Gefühl, das ich habe, in meinen Gedanken ein Teil dieses großen Summens zu sein, auch wenn es bei mir so ist wie bei Leopold Federmair:

 “Tatsächlich existierte und existiere ich nur am Rand dieses Betriebs.”

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