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Fotografien und Texte, digital und analog.

Baseball war schon immer ein merkwürdiger kleiner Teil meines Lebens. Vielleicht seit “Herkules und die Sandlot Kids”, vielleicht seit den ”Indianern von Cleveland”, aber eigentlich weiß ich nicht seit wann oder wieso.

Ich schaue nie Baseball Spiele, begeistere mich eher für die kulturelle Rezeption dieser Sportart in Film und Fernsehen. Während der Sommerferien habe ich mal selbst gespielt, war nicht schlecht im Schlagkäfig, hatte zu weiche Arme zum Pitchen und habe beim dritten Training in Verwunderung über die Flugdauer kurz über den Handschuh geblickt und den Ball mit voller Wucht auf die Nase bekommen. Das Blut spritzte aus meinem Kopf, aber davon bekam ich bereits nichts mehr mit, da ich in Ohnmacht gefallen war. Die Schilderungen meiner Mannschaftskollegen waren sehr plastisch, sie kommen mir wie meine eigene Erinnerung vor. Am nächsten Tag bin ich wieder mit den anderen Jungs zum Fußball.

Meiner Faszination für den Baseball-Sport tat das allerdings keinen Abbruch. Baseball-Filme packen mich noch heute. In Amerika war ich sogar bei einem Spiel. Die Cups aus Chicago gegen die Cardinals aus St. Louis, 2008 im September. Die Cards verloren. Trotzdem war ich für einen Abend Cardinals Fan in St. Louis. Ein Spieler der Cardinals steht auch im Mittelpunkt des Romans “The Art of Fielding” des amerikanischen Autors Chad Harbach, der heute auf Deutsch unter dem Titel “Die Kunst des Feldspiels” bei Dumont erschienen ist. Ein ehemaliger Spieler der Cards hat darin einen Leitfaden für das Feldspiel verfasst und damit die Hauptfigur des Romans, Henry Skrimshander, maßgeblich beeinflusst. Für den Jungen ist es Bibel und Lebensratgeber zugleich. Chad Harbach war mit seit 2008 ein Begriff, als ich in Amerika das n+1 Magazin kennenlernte. Der Roman ist im vergangenen Jahr auf allen Bestenlisten der Kritik in Amerika gelandet und hat schon da meine Aufmerksamkeit erregt, doch erst gestern, als ich ihn durch Zufall in einem Buchladen liegen sah, griff ich zu.

Eigentlich bin ich gerade zugeschüttet mit Arbeit, schreibe an einem Abschlussbericht für ein Ministerium und lese zwar jeden Tag, doch meist nur zwischen Tür und Angel. Egal, ich habe mich heute gleich mit dem Roman in ein Café gesetzt, einen Espresso und ein Wasser bestellt, und habe losgelesen. Ehe ich mich versah, war ich beim dritten Espresso und Seite 60 angelangt. Die Hauptfigur Henry bleibt noch eher blass bisher, es sind sein Entdecker und sein schwuler Mitbewohner am College, die in den Vordergrund treten. Henry bekommt ein Stipendium an einer Universität, obwohl er schmächtig ist und keine Home Runs schlägt, aber dafür mit unglaublichem Spielverständnis und Eleganz überzeugt. Er macht nie Fehler. Seinen Handschuh nennt er deshalb Zero, da seine Mutter ihn nach jedem Spiel fragt, wie viele Fehler er gemacht hat. “Zero” ruft er dann und schlägt die Faust in den Handschuh. Die ersten 50 Seiten waren sehr kurzweilig, ein wenig fühlt man sich wie in einem College-Film aus den 70er Jahren. Viel passiert ist noch nicht. Ich hoffe, ich komme morgen dazu, noch etwas weiterzulesen. Soweit für heute.

2 Days Later

What a day. Just sweating and writing. Aber zum Ende des Tages konnte ich dann doch wieder nicht vom Harbach lassen und entschied mich, statt des Fußballspiels von Gladbach einige Seiten zu genießen. Mittlerweile fügt sich ein breiteres Bild zusammen. Die Figuren werden dreidimensional und der Typ, Schwartz, der Henry and die Uni geholt hat, wird mir immer sympathischer. Ich bin jetzt bei Seite 165 und Henry schließt mittlerweile sein drittes Jahr ab, hat 30 Pfund zugelegt Dank Schwartz’ Trainingsplan und Nahrungsergänzungsmitteln, hat sein Spiel perfektioniert und bekommt erste Angebote für die Zukunft. Eine weitere Hauptfigur des Romans wurde eingeführt, der Rektor Affenlight, der romantische Gefühle für Henrys Zimmernachbarn Owen zu hegen scheint. Die Geschichte von Affenlight war interessant zu lesen, auch wenn sie zuerst wie eine Fingerübung aus einem Creative Writing Kurs anmutete.

Das Buch soll angeblich von HBO zu einer Serie gemacht werden. Um die Seite 100 herum kam der passende Cliffhanger für die Pilotfolge und so etwas wie der Knackpunkt des Romans, wenn man den Rezensionen und den Texten des Verlags glauben soll. Nach einer Rekordserie ohne Fehler passiert Henry ein Schnitzer, für den er nichts kann. Einer seine Bälle verfehlt das Ziel und trifft mitten ins Gesicht von Owen, der wieder auf der Auswechselbank mit einer kleinen Leselampe in einem Buch liest und den Ball nicht kommen sieht. Henry denkt sofort, er hätte ihn umgebracht. Im Krankenhaus erfährt er dann jedoch, dass es nur eine schwere Gehirnerschütterung ist. Trotzdem merkt man schon jetzt, dass dieser Vorfall nicht ohne Folgen bleiben soll. Affenlight, der das ganze mit ansehen musste, holt noch in derselben Nacht seine Tochter vom Flughafen ab, die er seit Jahren nicht gesehen hat und die ihn bittet, sie an der Uni aufzunehmen. Nach einer gescheiterten Ehe will sie noch einmal alles versuchen, ihrem Leben den richtigen Drive zu geben.

Diesen Drive hat Schwartz eigentlich. Doch dass ihm nicht alles zufliegt erkennt man in der letzten Szene, die ich heute gelesen habe. Während er alles daran setzt, aus Henry ein Meisterwerk zu formen und ihm eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen, lässt er sich nicht anmerken, dass er selbst hart für seinen Erfolg kämpfen muss. Er gibt vor Henry nicht zu, dass er bereits 5 Absagen von Colleges bekommen hat. Die Rückmeldung des sechsten Colleges bekommt er in der Nacht von Henrys Fehler. Eine der beeindruckendsten Szenen bisher. Schwartz in seinem Whirlpool mit dem Brief in der Hand, Henry am Telefon, mitten in der Nacht und dann faltet er das Blatt Papier auseinander. Und das Kapitel endet.

One Month later…

Nach einer Unterbrechung habe ich den Rest des Buches in zwei Nächten verschlungen. Es ist wirklich mein Buch des Jahres bisher, wenn es um Neuerscheinungen oder gar Debuts geht. Die Seiten sind mir nur so um die Ohren geflogen. Chad Harbach schreibt zwar gehaltvoll, jedoch mit so einer weichen und flüssigen Erzählstimme, dass man das Buch liest wie Popliteratur. Ich bin gespannt, was wir in Zukunft noch von diesem Autor zu lesen bekommen.

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