The Piña Colada Album

Vor fast einem Monat standen wir in unserem letzten Stau. Da waren wir bereits kurz vor Paderborn auf der A44 Richtung Kassel. Wir schlängelten uns auf dem Standstreifen an ein paar Autos vorbei, um an einer Raststätte ein letztes Mal mein kleines Schlachtross vollzutanken und einen Kaffee zu trinken. Eigentlich waren mein Bodyguard Ray und ich kaum noch ansprechbar. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits knapp 30 Stunden Fahrt hinter uns. Wir waren am Morgen des Vortages in Barcelona losgefahren, hatten es bis kurz nach Lyon geschafft, wo wir an einem Rasthof ein paar Stunden im Auto schliefen und sind dann am Morgen über die Grenze nach Deutschland.

Jetzt an dieser Tankstelle kurz vor der A33 versuchten wir eine kleine Bilanz zu ziehen:

  • ca. 3700 gefahrene Kilometer
  • wir hatten mehr für Mautgebühren ausgegeben als für Sprit
  • wir hatten einen Campingstuhl und eine Luftmatratze im Gefecht zurücklassen müssen
  • wir hatten auf 6 Camping-Plätzen übernachtet
  • der günstigste Camping-Platz (8 Euro pro Person/Nacht) war der beste
  • ca. 15 Liter Wein, 1 1/2 Flaschen Rum, ca. 3 Liter Cava, ca. 50 Flaschen/Dosen Bier, 1 Glas Pastis
  • Eine Familienpackung Instant-Kaffee
  • 1000 Fotos auf meiner SD-Karte
  • Insgesamt etwa 30 Stunden Schlaf pro Person in 14 tagen

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The Cozumel Diary by Al Satterwhite

Hunter S. Thompson sollte 1969 für den amerikanischen Playboy interviewt werden. Wie alles in seinem Leben mussten sich Interviewer und Fotograf da vollkommen nach Hunters Spielregeln verhalten. So wurde ein Trip auf eine Insel geplant und das Team verbrachte ereignisreiche Tage gemeinsam mit Hunter unter Palmen und Sternen. Nur das Interview wollte nicht so richtig und ehe man sich versah, rückte die Deadline näher und Hunter und der Journalist Craig Vetter schusterten in letzter Minute doch noch ein denkwürdiges Interview zusammen.

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Copyright: Al Satterwhite, The Cozumel Diary

Der Fotograf, der die beiden begleitet hatte, heißt Al Satterwhite. Er schoß einige Filme durch an den Tagen mit den beiden und archivierte das Material gründlich. Vor einiger Zeit machte er dann ein Buchprojekt daraus und zusammen mit einem Vorwort von Craig Vetter und netten Memorabilia entstand ein kleiner Bildband, der einem Hunter zeigt, wie man ihn nicht oft zu sehen bekommen hat. Einige der Bilder kommen einem bekannt vor, andere zeigen einen fremden Hunter, einen teilweise euphorisch lächelnden Hunter, den man so aus der Öffentlichkeit nicht kennt.

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Copyright: Al Satterwhite, The Cozumel Diary

Teilweise druckt Satterwhite ganze Kontaktbögen ab. Versehen mit vielen oft gehörten Hunter Zitaten ist ein netter Erinnerungsband entstanden, der natürlich auf die Zielgruppe der Hunter-Aficionados zugeschnitten ist, aber mehr muss es ja auch nicht sein. Mittlerweile gibt es das Buch zu einem schmalen Kurs als ebook. Würde ich nur eingefleischten Hunter Fans empfehlen, denen allerdings unbedingt!

Saul Leiter – Early Black and White

I. Interior

Wie einige von euch mitbekommen haben, war ich die letzten beiden Wochen mit meinem Auto in Südfrankreich und Spanien unterwegs. Neben meiner Sucht nach Meer und Bewegung ist während dieser Zeit auch deutlich geworden, dass die Fotografie mittlerweile aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Neben dem Fakt, dass meine Kamera fast zwei Wochen über meiner Schulter hing und ich die kleinen Küstenstraßen kurz und klein fotografiert habe, wurde meine Zeit unterwegs auch vom Nachdenken über Fotografie bestimmt – Fotografinnen und Fotografen, Shooting Ideen, Models, Mode, alles ging mir durch den Kopf. Wie es dann der Zufall will, betrete ich während eines Stops in Aix en Provence einen kleinen Buchladen, um nach einem kleinen Wörterbuch zu schauen und entdecke im Vorbeigehen auf einem Tisch die Bände „Early Black and White“ von Saul Leiter, die ich schon in Deutschland sehnsüchtig erwartet hatte, seit sie im letzten Jahr angekündigt wurden. Saul Leiters Veröffentlichung „Early Color“ ist mein liebstes Street Fotografie Buch und ein kleines Kunstwerk für sich.

Ich konnte einfach nicht widerstehen. Der Doppelband wanderte in meinen Rucksack und begleitete mich fortan auf meiner Reise. In Cafés und Restaurants, auf Parkbänken und Campingstühlen, auch im Zelt beim Licht meiner Taschenlampe und im Auto, während dicke Regentropfen auf das Fenster schlugen, das Buch gehört für mich zu den letzten zwei Wochen wie die Fotos, die ich selbst geschossen habe. LESEN… „Saul Leiter – Early Black and White“

Traumbilder deiner Jugend

Ich war heute seit einigen Jahren zum ersten Mal wieder im alten Werkstattschuppen meines Großvaters. Der Geruch, das Gefühl, als wäre er immer noch dort. Staub und Zeit haben keinen Einfluss auf die Erinnerung.

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Zürne nicht den Traumbildern deiner Jugend, die sich so rasch im Nebel auflösen. Gedenk: du warst glücklich, als du träumtest. Und auch als Erwachter kannst du es werden, wenn du dein Selbst gewinnst, das deiner im Innern still und geduldig harrt.

Über den Tag durch das Jahr

In den letzten Wochen habe ich zwischendurch immer wieder die Tagebücher von Paul Nizon und Georges Simenon gelesen. Man staunt, wie viel sie von ihren Tagen zu erzählen haben, auch wenn manchmal eigentlich gar nicht viel in ihrem Leben passiert. Das kann ich gerade nicht von mir behaupten. Es passiert jede Woche so viel, dass ich gar nicht mehr mitkomme und meine eigenen Tagebücher völlig vernachlässige. Allein in der letzten Woche waren es neben meinem Hauptjob noch vier geniale Foto-Shootings in Soest, Wuppertal und Paderborn.

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Am Montag machte das Shooting mit Nina (aus Soest), Jenny und Lisa den Anfang. Wir bastelten aus einem alten Friseursalon ein kleines Studio und haben den Morgen zwischen Haarspraydosen und Spiegeln verbracht.

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Gleich im Anschluss hatte ich ein tolles Shooting in meiner Lieblings-Pizzeria in meinem Viertel. Wir hatten schon lange darüber gesprochen, schöne Fotos von der Inhaberfamilie zu machen und dann auch endlich einen Termin gefunden. In den nächsten Wochen werde ich ihnen auch noch eine kleine Webseite machen. Einfach sehr herzliche Menschen, in deren Gesellschaft man gerne ist.

funky-3Am Mittwoch habe ich dann einen beruflichen Termin mit eine spontanen Shooting im Künstlerviertel von Wuppertal verbunden. Mit Svenja bin ich auf Lichtsuche in den Hinterhöfen gegangen und manchmal haben wir auch welches gefunden.

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Am Freitag waren dann Nina (aus Paderborn) und Evelyn bei mir im Studio. Mit Nina hatte ich ja bereits vor zwei Wochen Fotos gemacht, für Evelyn war es allerdings das allererste Shooting überhaupt.

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Nichtsdestotrotz haben wir viele schöne Bilder hinbekommen und den Beiden hat es sehr gut gefallen, behaupten sie zumindest. 😉

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Im April werden ein paar Aufnahmen von meinem Shooting mit der Soester Nina im Like a Lion Magazin erscheinen, darauf bin ich sehr gespannt. Obwohl ich bestimmt schon 400 bis 500 Fotos veröffentlicht habe, ist es doch etwas anderes, wenn es um meine Portrait-Fotografie geht. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen so bringen, viele Shootings stehen an und vielleicht habe ich ja wirklich zu meinem Geburtstag am 8. Mai genügend Gesichter zusammen und eine eigene kleine Mappe zu machen. Das hatte ich mir an Neujahr vorgenommen und bis jetzt sieht es wirklich sehr gut aus. Vielen Dank Ihr ganzen neuen Bekanntschaften und Menschen in meinem Leben! Ich versuche jeden Tag mit Euch zu genießen, und muss mich an ein Zitat aus einem meiner Lieblingsfilme erinnern:

„Zeit ist etwas Kostbares und die Jahre bringen einem viel bei, wovon die Tage nichts ahnen.“

Weldon Parish, Shadows in the Sun